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Was ist, wenn BP das Öl nie stoppen wird?

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Montag, 7. Juni 2010

Das Öl im Golf von Mexiko läuft und läuft und sprudelt vor sich hin. Hunderttausende Meeres- und Küstentiere verenden elendlich unter grössten Qualen – Kleinstlebewesen noch gar nicht miteingerechnet. Die katastrophalen Folgen für die Natur sind jetzt schon gigantisch. Das Mississippi Delta ist bereits komplett verölt. Dagegen ist die Flutkatastrophe im östlicheren Europa “nur” ein kleines Problem. Immer noch hoffen wir, dass der Spuk bald ein Ende habe. Doch bislang mag niemand wirklich auszusprechen, was immer mehr Menschen denken: Was ist, wenn es nicht gelingt, die Ölpest zu stoppen?

Dieses “worst case”-Szenario wird immer wahrscheinlicher. Wenn man den Berechnungsmodellen des National Center for Atmospheric Research glaubt, wird das Öl schon bald die ganze Ostküste der Vereinigten Staaten verseuchen und anschliessend in den Nordatlantik gespült werden:

Es ist für mich fast unerklärlich, wie ein solches Szenario im Risikomanagement von BP im Allgemeinen und der Bohrinsel im Besonderen vernachlässigt werden konnte. Dabei sollte doch auch jedem Halbgebildeten klar sein, dass mit einem Leck in der Leitung grundsätzlich jederzeit zu rechnen ist. Entsprechend sollte man meinen, wären schon lange Massnahmen definiert und konkrete Umsetzungspläne erarbeitet worden, die ein effektives und zeitnahes Eingreifen ermöglichen würden. Vernünftigerweise hätte zumindest eine einzige einsatzbereite Ausrüstung mit einem ausgebildeten Team irgendwo auf diesem Globus bereit stehen sollen, um bei Bedarf innert wenigen Tagen zum Ort der Katastrophe transportiert werden zu können.

Die Vernachlässigung von Risiken hat vor allem in Bereichen System, die unter einem hohen Kostendruck stehen. Auch grosse Bauvorhaben und IT-Projekte werden nur all zu oft ohne ein funktionierendes Risikomanagement, das diese Bezeichnung verdienen würde, durchgezogen. Die Mitarbeiter werden unter grossen Leistungsdruck gesetzt, so dass sie froh sind, wenn sie überhaupt irgendwie auch nur halbwegs vernünftige Ergebnisse in der vorgegebenen Frist liefern können. Über Risiken nachzudenken, bleibt dabei keine Zeit. Solange alles gut geht, sind die Manager die Helden, die mit immer weniger Aufwand immer grössere Gewinne erzielen. Doch wenn ein Risikoereignis eintritt, sind diese Schönwetterpiloten hilf- und ratlos. Aber das kennen wir ja bereits von der anhaltenden Finanz- und Wirtschaftskrise, wo Börsenspekulanten immer noch unter grösstem Risiko operieren, bis eine weitere Blase platzt. Angesichts solcher Nachrichten ist es nicht verwunderlich, dass Esoteriker und Endzeitpropheten Hochkonjunktur haben.



6 Kommentare

  1. Kommentar von ebook leser
    Montag, 7. Juni 2010; 17:08

    Seit die Bohrinsel des britischen Ölkonzern im Golf von Mexiko explodierte, verlor BP an der Börse rund 74 Milliarden Dollar an Wert etwa so viel, wie die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen zusammengerechnet pro Jahr erwirtschaften. Ich hoffe die Konzernführung denkt mal darüber nach, was eine gescheite Technik im Gegensatz dazu gekostet hätte und lernt für die Zukunft. Auch die anderen sollen mal darüber nachdenken und endlich handeln.

  2. Kommentar von dasuxullebt
    Dienstag, 8. Juni 2010; 02:36

    @ebook leser: Ich hoffe, dass Unternehmen wie BP garkeine “Zukunft” haben, und man so langsam vielleicht endlich weg vom Öl geht.

    Ansonsten … nunja … anders als Tschernobyl, das wirklich noch heute eine aktive Kernschmelze ist, wird der Öldruck zwangsläufig irgendwann nachlassen, sodass man irgendwann sicher das Loch schließen kann.

    Ich bin aber in der Tat langsam der Meinung, man sollte es lieber erstmal dabei belassen (statt noch mehr rumzupfuschen – nachdem man damit die Situation ja sogar noch verschlechtert hat) und sich überlegen, wie man mit den entstehenden Schäden umgeht. Denn irgendwann wird zumindest die Relevanzgrenze ob man es jetzt ein paar Tage früher oder später zukriegt überschritten sein.

  3. Kommentar von Supertramp
    Donnerstag, 17. Juni 2010; 11:31

    In jeden dieser Beitraege wird unbewusst davon ausgegangen, dass das Oel irgendwann gestoppt werden wird… Was ist, wenn es nie gestoppt werden wird/kann???????

    Ich hab grad das hier gelesen und musste an 2012 denken.

    http://www.infokriegernews.de/wordpress/2010/06/12/deepwater-horizon-apokalyptisches-szenario/

  4. Kommentar von dasuxullebt
    Freitag, 18. Juni 2010; 00:51

    @Supertramp: Weil da nur endlich viel Öl unten sein kann. Wenn das alles oben ist, kommt nix mehr. Das kann natürlich lange dauern.

    Ich frage mich ja, wann die ersten Leute auf die Idee kommen, die 600 Kilometer die den Golf von Mexiko vom Rest der Welt trennen einfach mit irgendwas aufzuschütten, dass das Öl wenigstens darin bleibt (kA, wie realistisch das ist, 600 Kilometer sind ne Menge, und das Meer wird da auch ziemlich tief sein, aber mei, mit genug Öl kann man auch genug Sand transportieren ^^).

  5. Kommentar von Cyrill Skoletzky
    Dienstag, 22. Juni 2010; 22:34

    Ich habe heute abend in den Radionachrichten gehört, dass das Bohrstopp für Tiefseebohrungen, welches US-Präsident Obama korfrekterweise verhängte, von US-Gerichten aufgehoben wurde. Gestern hört eich ebenso in den Nachrichten, dass irgendwo im Roten Meer auch eine bislang gehgeim gehaltene Ölpest anfängt putzmunter vor sich hin zu blubbern. Ich bin überzeugt davon, dass das, was wir hier erleben, der schnelle anfang von endgültigen Finale sein dürfte. Die apokalyptischen Vermutungen über den worst case im Fall deep Water Horzion werden sich bestätigen, das dürfte sicher sein, und das Ausmaß ist größer als Tschernobyl jemals gewesen ist, vielleicht vergleichbar mit dem Abwurf der ersten Atombombe.

  6. Kommentar von LD
    Mittwoch, 23. Juni 2010; 20:30

    Der Richter Martin Feldman, der den Bohrstopp aufhob, hatte laut seinem Einkommensbericht aus dem Jahr 2008 Dividenden von Transocean, dem Betreiber der gesunkenen Bohrinsel Deepwater Horizon, kassiert. Auch andere Richter sollen Einkünfte aus der Ölbranche beziehen.
    (Quelle: Telepolis enews: Ölige Verbindungen)

    Ein Einspruch gegen das Urteil wird aufgrund Interessenkonflikt und Befangenheit der Richter gute Chancen haben.