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	<title>DOBSZAYs Ansichten und Einsichten &#187; Leistungsgesellschaft</title>
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	<description>Gedanken und Kommentare zum Zeitgeschehen in der Informationsgesellschaft - Hintergrundinformationen und Kausalzusammenhänge aus einer ganzheitlichen und interdisziplinären Sicht: technisch, gesellschaftlich, ethisch, wirtschaftlich und rechtlich</description>
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		<title>War for Talent &#8211; der Kampf um die Besten</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Feb 2010 06:44:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>LD</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft und Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Als ich seinerzeit die McKinsey-Studie &#8220;War for  Talent&#8221; von 1997 beziehungsweise 2001 deren zweiten Teil las, wurde mir  bewusst, dass ein grundlegender Wandel auf dem Arbeitsmarkt in vollem Gange war.  Mittelm&#228;ssigkeit galt als verp&#246;nt, geschweige denn alles was darunter lag. Nur  noch die besten Mitarbeiter mit klar &#252;berdurchschnittlichen Leistungen waren  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- Converted from text/rtf format -->Als ich seinerzeit die McKinsey-Studie &#8220;<a title=\"War for talent\" href="http://www.dobszay.ch/wordpress/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5tY2tpbnNleXF1YXJ0ZXJseS5jb20vT3JnYW5pemF0aW9uL1RhbGVudC9UaGVfd2FyX2Zvcl90YWxlbnRfMzA1" target=\"_blank\">War for  Talent</a>&#8221; von 1997 beziehungsweise 2001 deren <a title=\"War for talent, part two\" href="http://www.dobszay.ch/wordpress/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5tY2tpbnNleXF1YXJ0ZXJseS5jb20vT3JnYW5pemF0aW9uL1RhbGVudC9UaGVfd2FyX2Zvcl90YWxlbnRfcGFydF90d29fMTAzNQ==" target=\"_blank\">zweiten Teil</a> las, wurde mir  bewusst, dass ein grundlegender Wandel auf dem Arbeitsmarkt in vollem Gange war.  Mittelm&#228;ssigkeit galt als verp&#246;nt, geschweige denn alles was darunter lag. Nur  noch die besten Mitarbeiter mit klar &#252;berdurchschnittlichen Leistungen waren  gefragt. Die Perfektionierung der Leistungsgesellschaft war zum Programm von Unternehmen geworden,  die sich zu den weltbesten z&#228;hlen wollten. Wer es wagte, dies kritisch zu  hinterfragen, lief Gefahr, als Weichei und Leistungsverweigerer abgestempelt zu  werden. Seither werden &#8220;Low Performers&#8221; systematisch eruiert und ausgemustert. Nur die sogenannten &#8220;High Potentials&#8221; und &#8220;High Performers&#8221; sind gefragt. Doch, was geschieht mit den anderen? Haben sie ihre  Existenzberechtigung in dieser Gesellschaft verloren?</p>
<h3><span id="more-2834"></span>Ein Krieg produziert nicht nur Gewinner sondern auch Verlierer</h3>
<p>Der <a title=\"Talent articles from McKinsey\" href="http://www.dobszay.ch/wordpress/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5tY2tpbnNleXF1YXJ0ZXJseS5jb20vT3JnYW5pemF0aW9uL1RhbGVudA==" target=\"_blank\">Kampf um die besten Arbeitskr&#228;fte</a> und gegen das Mittelmass tr&#228;gt nur scheinbar zu Qualit&#228;tssteigerung und Wirtschaftswachstum bei, hat aber schwerwiegende Konsequenzen f&#252;r die Gesellschaft und  entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als unsinnige Schaumschl&#228;gerei. Nicht nur, dass  die Suche nach den Perlen auf dem Arbeitsmarkt mehr Aufwand f&#252;r die  Personalrekrutierung bedeutet, die gadenlose Selektion hinterl&#228;sst auch  Verlierer. Sie sind nicht mehr gefragt, f&#252;hlen sich nutzlos und ihre Frustrationen  nagen an ihrem Selbstwertgef&#252;hl. Damit verbunden steigt die Wahrscheinlichkeit,  dass sie ihr Selbstvertrauen und ihre Leistungsbereitschaft g&#228;nzlich verlieren  und motivationslos zum Sozialfall werden. Die Kosten daf&#252;r darf der Rest der  Gesellschaft tragen. Die Suizidraten in gewissen Branchen sind bereits alarmierend. Kann das alles wirklich Sinn und Zweck der ganzen &#220;bung sein? Parallelen zur Finanzkrise sind nicht zuf&#228;llig: Gewinne werden privatisiert und Verluste sozialisiert.</p>
<h3>Das Paradoxon der Selbstkanibalisierung</h3>
<p>Aus betriebswirtschaftlicher Sicht mag die Rechnung  f&#252;r manch ein Unternehmen, das sich auf der Jagd nach Leistungstr&#228;gern als  erfolgreich erwiesen hat, kurzfristig aufgehen. Doch langfristig wird sich  dieser Erfolg an die volkswirtschaftliche Sicht angleichen, die eine  Gesamtrechnung darstellt, welche die &#8220;Low Performers&#8221; miteinschliesst. Der &#8220;War  for Talent&#8221; l&#228;sst hinsichtlich Nachhaltigkeit zu w&#252;nschen &#252;brig. Er erweist sich  auf lange Sicht sogar als paradox und selbstzerst&#246;rerisch. Wenn nur noch  &#220;berdurchschnittliches z&#228;hlt und Unterdurchschnittliches eliminiert wird, wird  die eine H&#228;lfte des &#220;berdurchschnittlichen wiederum zum nur Unterdurchschnittlichen,  das dann der Logik folgend seinerseits eliminiert werden muss. Am Schluss  bleibt eine Nullmenge &#252;brig.</p>
<h3>Nat&#252;rliche Selektion</h3>
<p>In der Menschheitsgeschichte gab es &#8211; und es ist noch gar nicht so lange her &#8211; so einen kleinen, gr&#246;ssenwahnsinnigen Gefreiten aus Linz mit einem schmalen Oberlippenbart, der nur die grossgewachsenen, blonden Arier als lebenswerte Subjekte betrachtete. Die anderen liess er systematisch in Konzentrationslagern vernichten und entzog ihnen ihre Existenzgrundlage. Gleiches geschieht seit gut zehn Jahren auch auf dem Arbeitsmarkt und auch der Lehrstellenmarkt hat sich l&#228;ngst diesem Trend angepasst. Genau betrachtet findet eine Art von Genozid statt, der gegen die Sch&#228;chsten unserer Gesellschaft gerichtet ist und die Kluft zwischen Arm und Reich noch gr&#246;sser werden l&#228;sst. Die Weltwirtschaftskrise tr&#228;gt das ihre bei. Die Zahl der &#8220;Working Poors&#8221; steigt und steigt, w&#228;hrend die Verm&#246;gensakkumulation der Superreichen noch nie dagewesene Dimensionen annimmt. Was soll jemand tun, der zuwenig zum Leben aber zuviel zum Sterben hat?</p>
<p>F&#252;r viele ist es der reinste &#220;berlebenskampf. Die meisten Hartz-4-Empf&#228;nger haben schon resigniert und suchen sich ihren eigenen Weg, auf dem sie sich irgendwie durchs Leben schummeln. Als &#8220;survival of the fittest&#8221; (&#220;berleben der Bestangepassten) w&#252;rde dies der Evolutionstheoretiker Charles Darwin in Anlehnung an den Sozialphilosophen Herbert Spencer wohl bezeichnen. Doch ist diese Art der Selektion wirklich nat&#252;rlich? Sie hat f&#252;r mich etwas sehr Archaisch-Animalisches und Unchristliches an sich. Wer hier noch von &#8220;sozialer Marktwirtschaft&#8221; zu sprechen vermag, hat sich offensichtlich noch nie ernsthaft Gedanken dar&#252;ber gemacht. Die Reife einer Gesellschaft l&#228;sst sich jeweils daran messen, wie sie mit den Schw&#228;chsten ihrer Mitglieder umgeht. Unsere Gesellschaft d&#252;rfte in dieser Hinsicht wohl keine Medaille gewinnen.</p>
<h3>Werteverlust</h3>
<p>F&#252;r das Rosinenpicken von  M&#246;chtegern-Vorzeigeunternehmen, die einzig von der Maximierung des  Shareholder-Values getrieben werden und deren &#252;bertriebene Anspr&#252;che als  Arbeitgeber vor allem von den Verlierern als arrogant und realit&#228;tsfremd  wahrgenommen werden, bezahlen wir als Gesellschaft einen hohen Preis. Galten noch  vor zwanzig Jahren vor allem Finanzinstitute als besonders sozial, weil sie auch  Teilinvaliden, sozial Schw&#228;cheren oder sonstwie Benachteiligten einen Job mit einem  existenzsichernden Einkommen erm&#246;glichten, indem sie als Materialwarte, Portiers  von Backoffice-Geb&#228;uden und interne Postverteiler besch&#228;ftigt wurden, entziehen  sich diese Firmen zunehmend ihrer soziale Verantwortung und b&#252;rden die Last der  Realwirtschaft und dem Staat auf. Da die Finanzwirtschaft das Komplement zur  Realwirtschaft darstellt, kann man sie wohl als Irrealwirtschaft bezeichnen, was  auch in der Realit&#228;tsferne ihres &#8220;Human Resource Management&#8221; immer mehr zum  Ausdruck kommt. Der Mensch ist nur noch eine Ressource und wie er behandelt wird, h&#228;ngt ganz davon ab, welchen Gewinn er abwirft. Willkommen im kapitalistischen Neotaylorismus!</p>
<p>Es gibt allerdings auch l&#246;bliche Ausnahmen, die an dieser Stelle  nicht unerw&#228;hnt bleiben sollen. Es sind dies kleinere Finanzunternehmen,  die noch nach gut-patriarchalischen Prinzipien als Familienunternehmen gef&#252;hrt  werden. Doch wo B&#246;rsenkurse, Investoren und Spekulanten &#252;ber Erfolg oder Niedergang eines  Unternehmens entscheiden, hat soziale Verantwortung keinen Platz und wenn, dann  nur als PR-Instrument und nicht aus Menschenfreundlichkeit.</p>
<h3>Jeder kehre zuerst vor seiner eigenen T&#252;re</h3>
<p>Die Erwartungen an einen (k&#252;nftigen) Arbeitnehmer sind hoch. Die  meisten Unternehmen tun selber jedoch recht wenig, um f&#252;r einen Kandidaten  attraktiv zu erscheinen. Wer sich heute &#252;ber ein Unternehmen als potentiellen  Arbeitgeber erkundigt, tut dies zuerst einmal im Internet. Doch nur sehr selten  findet er hier die Informationen, die er f&#252;r einen Entscheid zugunsten  einer Bewerbung sucht. Entweder findet er praktisch nichts f&#252;r ihn Verwertbares oder dann ist die  Selbstdarstellung des Unternehmens derart gek&#252;nstelt und &#252;bertrieben, dass sie  nicht glaubw&#252;rdig und vertrauensbildend wirkt.</p>
<h3>Willkommen in der Realit&#228;t!</h3>
<p>Trotz allen Bem&#252;hungen, nur die Talentiertesten zu gewinnen, sieht das Leistungsniveau in den meisten Unternehmen ern&#252;chternd aus und die Gesamteffizienz l&#228;sst sehr zu w&#252;nschen &#252;brig. Je mehr zur Steigerung von Qualit&#228;t, Professionalit&#228;t und Effizienz unternommen wird, desto gr&#246;sser wird der Formalismus und der Apparat zur Selbstverwaltung. Vielleicht gelingt es eben doch nicht so richtig, die Talentiertesten zu gewinnen, oder es wurden die falschen Personen mit dieser Aufgabe betraut. In der Informatik wimmelt es nur so von Quereinsteigern mit entsprechendem Halbwissen und aus eben diesen Humanressourcen stammen auch jene, welche die gesuchten Talente ausw&#228;hlen und einstellen sollen. Nur erstens haben diese Leute ihre liebe M&#252;he, die wirklich qualifizierten Talente richtig zu beurteilen, und zweitens haben sie prinzipiell kein Interesse daran, irgendwelche Hochbegabten und Hyperintelligenten einzustellen, die ihnen am Stuhlbein s&#228;gen und ihrer eigenen Karriere ein ungewolltes Ende setzen k&#246;nnten. So bleibt der Kampf um die Besten in der Realit&#228;t mehrheitlich trotzdem nur ein Wunschgedanke genozidaler &#220;berheblichkeit und eines realit&#228;tsfremden Leistungswahns, der von den wahren &#8220;Low Performern&#8221; ad absurdum gef&#252;hrt wird.</p>
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