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	<title>DOBSZAYs Ansichten und Einsichten &#187; Zertifizierung</title>
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	<description>Gedanken und Kommentare zum Zeitgeschehen in der Informationsgesellschaft - Hintergrundinformationen und Kausalzusammenhänge aus einer ganzheitlichen und interdisziplinären Sicht: technisch, gesellschaftlich, ethisch, wirtschaftlich und rechtlich</description>
	<lastBuildDate>Wed, 25 Jan 2012 06:55:25 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Ingenieurm&#228;ssiges Vorgehen und Qualit&#228;ts-Zertifikate</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Oct 2009 12:32:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>LD</dc:creator>
				<category><![CDATA[ICT Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[IT-Alltag und Szenen-News]]></category>
		<category><![CDATA[Wissen(schaft)]]></category>
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		<description><![CDATA[Regelm&#228;ssig werde ich immer wieder gefragt, was eingentlich ein &#8220;ingenieurm&#228;ssiges Vorgehen&#8221; ist, wodurch sich dieses auszeichnet und was ich von Zertifizierungen zu &#8220;Qualit&#228;ts&#8221;-Standards wie PMI, ISO, CMMI, ITIL, etc. halte. Im Folgenden m&#246;chte ich deshalb meine Ansichten in einer kurzen &#220;bersicht (speziell aus der Sicht der Softwareentwicklung) dazu kundtun.
Ingenieurm&#228;ssiges Vorgehen
Als Grundsatz aus der Organisationslehre kennen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Regelm&#228;ssig werde ich immer wieder gefragt, was eingentlich ein &#8220;ingenieurm&#228;ssiges Vorgehen&#8221; ist, wodurch sich dieses auszeichnet und was ich von Zertifizierungen zu &#8220;Qualit&#228;ts&#8221;-Standards wie PMI, ISO, CMMI, ITIL, etc. halte. Im Folgenden m&#246;chte ich deshalb meine Ansichten in einer kurzen &#220;bersicht (speziell aus der Sicht der Softwareentwicklung) dazu kundtun.</p>
<h3>Ingenieurm&#228;ssiges Vorgehen</h3>
<p>Als Grundsatz aus der Organisationslehre kennen wir die Regel:</p>
<blockquote><p><strong>STRUCTURE follows PROCESS follows STRATEGY follows OBJECTIVES follow VISION</strong></p></blockquote>
<p>An diesem Grundsatz orientierten sich Ingenieure schon lange, bevor er ausformuliert wurde. Er sagt eigentlich nur aus, dass vom Groben zum Detail hin gearbeitet wird, wobei die sachlogischen Abh&#228;ngigkeiten br&#252;cksichtigt werden.</p>
<blockquote><p>Zum ingenieurm&#228;ssigen Vorgehen geh&#246;rt unter anderem, dass ein Prozess geplant und entworfen wird, dass eine vollst&#228;ndige Beschreibung existiert, Kontrollpunkte zur Einrichtung von Messungen festgelegt und Auswertungen der Messungen f&#252;r die Prozessverbesserung verwendet werden. [<a title=\"Ernest Wallm&#252;ller\" href="http://www.dobszay.ch/wordpress/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5pdHEuY2gvd2FsbG11ZWxsZXIuaHRt" target=\"_blank\">Ernest Wallm&#252;ller</a>]</p></blockquote>
<p>Das ingenieurm&#228;ssige Vorgehen zeichnet sich durch folgende Merkmale aus, wobei die Punkte a) bis c) unabdingbare Voraussetzungen f&#252;r die Verbesserbarkeit der Prozesse und ihrer Produkte sind:</p>
<h4><span id="more-2066"></span>a) Definition und Standardisierung</h4>
<p>Bevor etwas getand wird, wird festgelegt, warum, wozu, wie und womit es getan werden soll. Daraus resultieren eine klare Zielsetzung und eine klare Strategie sowie geeignete Methoden (d.h. Prozesse) und Tools.</p>
<h4>b) Mess- und Bewertbarkeit</h4>
<p>&#8220;You cannot control what you can&#8217;t measure&#8221; (man kann nicht steuern, was man nicht messen kann) heisst eine alte F&#252;hrungsweisheit. Wer etwas steuern oder verbessern will, muss zuerst bestimmen beziehungsweise messen, wo er aktuell steht. Die Metrik muss so definiert sein, dass sie eine korrekte Aussage liefert und keinen Spielraum f&#252;r Fehlinterpretationen l&#228;sst. Nur dann l&#228;sst sich ein vom Kurs abgekommenes Schiff wieder auf den richtigen Kurs bringen und sicher in den Zielhafen steuern.</p>
<h4>c) Nachvollziehbarkeit</h4>
<p>Alle Aktivit&#228;ten und Ergebnisse werden soweit &#8220;sauber&#8221; dokumentiert, dass ihre Nachvollziehbarkeit auch Jahre sp&#228;ter noch sichergestellt ist, um (systematische) Fehler aufdecken und korrigieren zu k&#246;nnen. Es wird aber nur das dokumentiert, was auch von jemandem gebraucht und gelesen wird. Alles andere ist den Dokumentationsaufwand nicht wert.</p>
<h4>d) Abstraktion und Modellbildung</h4>
<p>Abstraktion und Modellbildung dienen als Hilfsmittel zum Verst&#228;ndnis von komplexen Zusammenh&#228;ngen und machen auch komplexe Systeme handhabbar (→ &#8220;divide et impera&#8221;). Ein Modell ist eine Abstraktion der Realit&#228;t unter den f&#252;r die Probleml&#246;sung relevanten Gesichtspunkten.</p>
<h4>e) Priorit&#228;tensetzung</h4>
<p>Da wir in einer begrenzten Welt leben und mit begrenzten Ressourcen auskommen m&#252;ssen, k&#246;nnen wir nicht alles gleichzeitig erledigen und m&#252;ssen daher Priorit&#228;ten setzen. Die Priorit&#228;tensetzung erfolgt unter Ber&#252;cksichtigung der Kundenbed&#252;rfnisse, der Wirtschaftlichkeit und Machbarkeit sowie der logischen Abh&#228;ngigkeiten.</p>
<h4>f) Zuerst denken, dann handeln</h4>
<p>Die Entwicklung geht immer von der Brainware &#252;ber deren Dokumentation zur Software. Software ist nichts anderes als die Umsetzung der Brainware in maschinenlesbare Anweisungen. Das Gleiche gilt auch f&#252;r eine Maschine, die zuerst entworfen werden muss, bevor sie gebaut werden kann. Nur wer diese Arbeiten optimal plant, kann sie effizient erledigen und den Ergebnisfortschritt gezielt steuern.</p>
<h4>g) Saubere Trennung der Planungsbereiche nach den &#8220;W-Fragen&#8221;</h4>
<p>Die Festlegung beziehungsweise die Beantwortung der &#8220;W-Fragen&#8221; erfolgt f&#252;r die Planung in der Reihenfolge ihrer gegenseitigen Abh&#228;ngigkeiten und ihrer Stabilit&#228;t, d.h. jene &#8220;Ws&#8221; werden zuerst festgelegt, deren &#196;nderungsh&#228;ufigkeit resp. -wahrscheinlichkeit sowie &#196;nderbarkeit am geringsten ist und deren &#196;nderung den gr&#246;ssten Einfluss auf die anderen hat. Das ingenieurm&#228;ssige Vorgehen zeichnet sich unter anderem durch ein zielorientiertes Planen und Handeln aus, weshalb das Ziel immer am Anfang steht.</p>
<p>Bei der Planung eines Vorhabens unterscheiden wir grunds&#228;tzlich zwei Varianten:</p>
<p><strong>A.</strong> Die <strong>kapazit&#228;tstreue Terminplanung</strong> ist der &#8220;Schulbuchfall&#8221;:</p>
<p>1.	<strong>WAS</strong> (Ziel, Aufgabe als Delta zwischen Ist und Soll)<br />
2.	<strong>WIE</strong> (Prozess, Methode)<br />
3.	<strong>WOMIT</strong> (Sachmittel, Tools)<br />
4.	<strong>WER</strong> (Aufgabentr&#228;ger)<br />
5.	<strong>WANN</strong> (Aufwand → Dauer → Termin)</p>
<p>Das WIE und WOMIT sind eng miteinander gekoppelt. Das WOMIT kann unter gewissen Umst&#228;nden auch das WIE bestimmen, wenn bereits vorhandene Arbeitsmittel eingesetzt werden m&#252;ssen, weil eine Investition in neue zu kostspielig w&#228;re. Die Reihenfolge von WANN und WER kann auch vertauscht werden. Dies macht besonders dann Sinn, wenn die personellen Ressourcen flexibel aus einem Pool zugeordnet werden. Zu ber&#252;cksichtigen ist, dass die Produktivit&#228;t der m&#246;glichen Aufgabentr&#228;ger stark variieren kann.</p>
<p><strong>B.</strong> Bei der <strong>termintreuen Kapazit&#228;tsplanung</strong> (&#8220;time to market&#8221;-Ansatz) wird in zwei Iterationen verfahren und bei ihr &#228;ndert sich die Reihenfolge etwas:</p>
<p><span style="text-decoration: underline;"><strong>1. Iteration</strong></span><br />
1.	<strong>WAS</strong> (Ziel, Aufgabe als Delta zwischen Ist und Soll)<br />
2.	<strong>WANN</strong> (Termin → max. Dauer → max. erbringbarer Aufwand)<br />
3.	<strong>WIE</strong> (Prozess, Methode)<br />
4.	<strong>WOMIT</strong> (Sachmittel, Tools)<br />
5.	<strong>WER</strong> (Aufgabentr&#228;ger)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;"><strong>2. Iteration</strong></span> (analog der kapazit&#228;tstreuen Terminplanung)<br />
6.	<strong>WAS</strong> (Ziel, Aufgabe: Priorit&#228;ten-basierte Anpassung (meist Reduktion) der Anforderungen auf das mit dem max. erlaubtem Aufwand Machbare)<br />
7. <strong>WIE</strong> (Prozess, Methode)<br />
8.	<strong>WOMIT</strong> (Sachmittel, Tools)<br />
9.	<strong>WER</strong> (Aufgabentr&#228;ger)<br />
10.	<strong>WANN</strong> (Aufwand → Dauer → Termin)</p>
<p>Auch bei diesem Ansatz kann die Reihenfolge von WER und WANN in der zweiten Iteration je nach Ressourcensituation vertauscht werden. Wer Unsicherheiten begegnen m&#246;chte, baut entsprechende Reserven in seine Planung ein. Schliesslich ist Planung nichts anderes als die geistige Vorwegnahme der Zukunft, wobei der Zufall durch den Irrtum ersetzt wird. Mit steigender Erfahrung wird dieser Irrtum immer kleiner und die Planung tendenziell genauer.</p>
<h4>h) Volle Integration der Qualit&#228;tssicherung in den Arbeitsprozess.</h4>
<p>Setzen von Kontrollpunkten zur Bildung von Regelkreisen → PDCA-Kreis:</p>
<ul>
<li> <strong>PLAN</strong>:	Planung der T&#228;tigkeiten.</li>
<li> <strong>DO</strong>:	Ausf&#252;hrung der geplanten T&#228;tigkeiten.</li>
<li> <strong>CHECK</strong>:	&#220;berpr&#252;fung der Ergebnisse.</li>
<li> <strong>ACT</strong>:	Einleiten von Korrekturmassnahmen bei Abweichungen.</li>
</ul>
<h3>Zertifizierungen</h3>
<p>Um es gleich vorweg zu nehmen: ich bin kein Freund von Zertifizierungen und daf&#252;r habe ich meine guten Gr&#252;nde. Das heisst aber nicht, dass ich Qualit&#228;tsstandards und Frameworks zur Qualit&#228;tsverbesserung wie CMMI, SPICE, ITIL, PMI, etc. ablehne. Es ist wie mit einer Werkzeugkiste, die gef&#252;llt ist mit vielen tollen und praktischen Werkzeugen. Doch wer diese Werkzeuge nicht richtig anzuwenden vermag, wird damit nicht einmal eine einfache Hundeh&#252;tte zimmern k&#246;nnen. Hier bewahrheitet sich die Weisheit: &#8220;a fool with a tool is still a fool&#8221; (ein Depp mit einem Werkzeug bleibt immer noch ein Depp).</p>
<p>Qualit&#228;ts-Zertifizikate sollen Anbieter und Kunden entlasten und ihnen Sicherheit bringen. Wovon entlasten? Von der Verantwortung etwa? Welche Sicherheit? Wer garantiert f&#252;r diese? Mit Zertifikaten wollte man urspr&#252;nglich eigentlich Vertrauen schaffen. Doch immer, wenn ich mich mit diesem Thema befasse, &#252;berkommt mich ein unangenehmes Kribbeln im Bauch. Immer wenn mir jemand sein Zertifikat zeigt, werde ich misstrauisch. Fr&#252;her (vor ca. 15 Jahren) war ich derjenige, der f&#252;r mehr Struktur und Ordnung missionierte und die Leute f&#252;r Qualit&#228;tsstandards zu begeistern versuchte. Heute ist das Pendel extrem auf die andere Seite geschlagen und heute k&#228;mpfe ich gegen die blinde Formalisierungs- und Standardisierungswut, die mehr einer Massenpsychose gleicht, als dass sie einem Unternehmen (mit Ausnahme des beratenden, schulenden oder zertifizierenden) einen echten Nutzen bringen w&#252;rde.</p>
<p>Qualit&#228;ts-Zertifikate sind &#8230;</p>
<ul>
<li>Vollkasko-Versicherungen f&#252;r Manager, die selber keine Verantwortung &#252;bernehmen wollen</li>
<li>Persilscheine f&#252;r &#8220;Wildschweine&#8221;, die ihr Gewissen rein waschen wollen</li>
<li>ein Instrument zur Blendung von Kunden und wiegen diesen in tr&#252;gerischer Sicherheit</li>
<li>meist mit sehr hohen Investitionen verbunden</li>
<li>immer ein Riesengesch&#228;ft f&#252;r darauf spezialisierte Beratungs-, Schulungs- und Zertifizierungs-Unternehmen</li>
<li>oft sogar lediglich eine Selbstbeweihr&#228;ucherung, die essenzielle Verbesserungen verhindert</li>
</ul>
<p>Meist sind die Ziele der im Rahmen eines Zertifizierungsprozesses angestrebten Verbesserungen nicht auf die Gesch&#228;ftsziele abgestimmt. Man weiss eigentlich gar nicht, wohin man will, aber man gibt sich grosse M&#252;he, den richtigen Weg zu gehen und um das begehrte Zertifikat zu erlangen &#8211; mehr f&#252;r die Befriedigung der pers&#246;nlichen Profilierungsneurose als f&#252;r das Wohl des Unternehmens. So ersetzt blinder Aktivismus die geistige Windstille. Und am Schluss resultiert nur eine komplexe, &#252;berladene und undurchschaubare Prozess-, Tool- und Template-Landschaft, die keiner wirklich versteht und sinnvoll anwenden kann &#8211; nicht zuletzt auch deshalb, weil die sozialen Faktoren von solch tiefgreifenden Ver&#228;nderungen zu wenig bis gar nicht ber&#252;cksichtigt werden.</p>
<p>Ein intelligenter Kunde vertraut nicht auf die Zertifikate seines Lieferanten sondern &#252;berzeugt sich pers&#246;nlich von dessen F&#228;higkeiten, Produkte und Dienstleistungen in der geforderten Qualit&#228;t zu liefern. Daher ist nicht die Zertifizierung nach einem bestimmten Standard sondern vielmehr die richtige Anwendung der passenden Methoden und Tools f&#252;r den Erfolg des Anbieters massgebend. Diese Verantwortung kann nicht an ein Zertifikat delegiert werden.</p>
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