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In der Schweiz sollen uns „Softwarewanzen“ überwachen

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Montag, 12. Februar 2007

Auch in der Schweiz gibt es Bestrebungen, die Bürger mit Trojanern zu bespitzeln. Der St. Galler Staatsanwalt und Leiter der Arbeitsgruppe „Organisierte Kriminalität“, Thomas Hansjakob, macht sich anscheinend für den Einsatz von sogenannten „Softwarewanzen“ stark. Auch die Vorratsspeicherung der Internetnutzungsdaten soll von sechs Monaten auf zehn Jahre verlängert werden.  Die Hersteller von Massenspeichern wird’s bestimmt freuen. Der eidgenössische Inlandsgeheimdienst (DAP) möchte die Wanzen sogar ohne jeglichen strafrechtlich relevanten Verdacht einsetzen, was wenigstens Herrn Hansjakob zu weit geht.

Wenn Strafverfolgungsbehörden nun jeden bereits grundsätzlich einer Straftat verdächtigen, nur weil er das Internet nutzt, haben wir den perfekten Überwachungsstaat. Ich befürchte, dass dank der Hetze in den Medien gegen jegliche Art von Rechtsverletzung im oder mit Hilfe des Internet entsprechende Gesetzesänderungen zunehmend gute Chancen haben. Achtung, nicht falsch verstehen: ich bin dafür, dass Verbrecher verfolgt, geschnappt und bestraft werden. Die verzerrte Darstellung der Realität in den Medien macht mir allerdings zu schaffen. Kinderschänder, die nicht das Internet für ihre Schandtaten nutzen, sind ebenso Furunkel unserer Gesellschaft, auch wenn sie nicht im Fokus der Berichterstattung stehen. Aber Teenager zu überwachen und zu Kriminellen zu stempeln, weil sie urheberrechtlich geschützte Musik und Videos über das Netz tauschen, die sie sonst gar nicht kaufen würden, weil sie kein Taschengeld dafür haben, widerstrebt meinem Sinn für Gerechtigkeit und Verhältnismässigkeit.

Wer überwacht eigentlich die Überwacher? Und wer deren Überwacher? Werden wir uns in Zukunft unsere Freizeit mit gegenseitiger Bespitzelung vertreiben? Werden auch alle akustischen Resultate unserer Verdauungsstörungen mit Hilfe von Softwarewanzen für die nächsten zehn Jahre auf Datenträgern gespeichert? Mir kommen langsam Zweifel an unserer globalisierten Informationsgesellschaft und ich fürchte um das einstige Ansehen von uns Informatik-Ingenieuren. Ist Informatik wirklich ein Segen für die Menschheit?