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Eine Milliarde US-Dollar Schadenersatz

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Mittwoch, 14. März 2007

Das verlangt der amerikanische Medienkonzern Viacom von YouTube gemäss Berichten der New York Times und ZDNet für Urheberrechtsverletzungen durch angeblich 160’000 Clips. Ich frage mich, ob es sich bei dieser Zahl um eine Hochrechnung handelt oder ob hier unterbezahlte Studenten monatelang Clips ausgewertet und gezählt haben. Viacom bezeichnet das Geschäftsmodell als illegal, weil es darin bestehte, mit unlizenzierten Inhalten Besucher anzulocken, um Einnahmen mit Werbung zu generieren. YouTube mache sich damit „massiver vorsätzlicher Copyright-Verletzungen“ schuldig. Damit spricht Viacom erstmals öffentlich aus, was andere schon lange denken.

Nachdem Viacom YouTube erfolglos aufgefordert hatte, alle ihre Filme von der Plattform zu entfernen, und die Vergleichsverhandlungen gescheitert sind, geht es jetzt vor den Kadi. Die erste Runde wird an einem New Yorker Bezirksgericht (U.S. District Court for the Southern District of New York) ausgetragen. Sollte Viacom mit seiner Geldforderung wirklich erfolgreich sein, wäre dies ein Signal an alle Videoplattformen und würde weitere in ihren Urheberrechten verletzten Kläger ermutigen, Schadenersatzforderungen in vergleichbarer Höhe zu fordern. Dies wäre eine empfindliche Niederlage für das Web 2.0 und vielleicht schon das Aus für die beliebten Videoplattformen. Auch das Web 2.0 muss sich an geltendes Recht halten. Aber so wie ich die Amis kenne, wird jetzt zuerst viel Wirbel gemacht, um die nötige Aufmerksamkeit in den Medien zu bekommen, um sich anschliessend doch noch zu vergleichen. Vielleicht will sich Viacom auf diesem Weg bloss günstig bei YouTube einkaufen beziehungsweise Anteile als Entschädigung schenken lassen. Wirtschaftlich macht es jedenfalls keinen Sinn, eine Plattform zu vernichten, die sich als ideal für die Verbreitung von multimedialen Inhalten erwiesen hat und traumhafte Besucherzahlen verzeichnet. Die Rechtslage gibt Viacom jedenfalls gute Karten in die Hand, sich einen Anteil an einem der grössten Content-Intermediäre und damit am Absatzkanal der Zukunft zu sichern.