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Krieg im Netz – Cyber-Attacken auf Estland

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Freitag, 18. Mai 2007

Seit drei Wochen sind Websites der estnischen Regierung, von Parteien, Firmen, Banken, Handynetzbetreibern und Zeitungen Denial-of-Service-Attacken ausgesetzt, wie SPIEGEL ONLINE berichtet. Hinter der gezielten und breit angelegten Aktion wird Russland vermutet. „Die Cyber-Attacken sind aus Russland. Das ist keine Frage, das ist politisch“, sagte Merit Kopli von „Postimees“, einer der beiden grossen estnischen Tageszeitungen. Die Vermutung ist nicht ganz aus der Luft gegriffen. Zwischen Estland und Russland war es zu schweren Auseinandersetzungen gekommen, nachdem die Esten Ende April ein russisches Kriegerdenkmal in Tallin abbauen wollten. Im Gegenzug wurde in Moskau die estnische Botschafterin von Demonstranten angegriffen. Seither ist das ohnehin schon stark belastete Verhältnis zwischen Russland und Estland erst recht angespannt.

Kreml-Sprecher Dimitri Peskov wies die Anschuldigungen gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) zurück. Die Angreifer müssten gefälschte Kreml-IP-Adressen benutzt haben, um die russischen Behörden in Misskredit zu bringen. Mittlerweile befassen sich bereits IT-Spezialisten der Nato mit der Angelegenheit. Konkrete Schuldige werden aber (noch) nicht genannt.

Sollte wirklich Russland hinter den Attacken stehen, könnte dies einen neuen kalten Krieg heraufbeschwören, und vielleicht soll genau das mit dieser Aktion provoziert werden. Russland hat als einer der wichtigsten Erdöl- und Gaslieferant der Welt solche dummen Spielereien aber nicht nötig und könnte weit bedeutenderen Schaden anrichten als nur eine grössere Anzahl von Servern lahm zu legen. IP-Adressen zu fälschen ist für Eingeweihte übrigens ein Kinderspiel und auch russische Regierungs-Computer sind vor Wurmbefall und Missbrauch als Bot-Net-Client nicht gefeit. So warte ich gespannt auf die Ergebnisse der weiteren Untersuchungen und auf den Ausgang des Cyberkiegs in Estland.