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Microsoft will Gesundheitsdaten verwalten

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Samstag, 6. Oktober 2007

Der Softwareriese möchte mit „HealthVault“ ins Gesundheitswesen einsteigen und hat auch schon erste Verbündete in den USA gewonnen wie American Heart Association, Johnson & Johnson LifeScan, das NewYork-Presbyterian Hospital, der Klinik-Konzern Mayo Clinic und MedStar Health. Ausgerechnet Microsoft, für die Sicherheit nun wirklich nur ein permanentes Problem darstellt, sollen wir künftig unsere intimsten Gesundheitsdaten anvertrauen? Zum Datenschutz bei HealthVault lässt Microsoft verlauten (in Kurzform): „1. Die Microsoft-HealthVault-Daten werden von Ihnen kontrolliert. 2. Sie entscheiden, was in Ihren HealthVault-Daten gespeichert wird. 3. Sie entscheiden von Fall zu Fall, wer Ihre Informationen sehen und nutzen darf. 4. Wir werden Ihre Gesundheitsdaten nicht für kommerzielle Zwecke nutzen, ohne vorher Ihre Erlaubnis eingeholt zu haben.“ Heisst das, für nicht-kommerzielle Zwecke könnten die Daten ohne Einverständnis einer Person genutzt werden? Mir läuft es kalt den Rücken runter.

Bei der Realisierung der Gesundheitskarte in Deutschland und der ELGA in Österreich gibt es bekanntlich auch noch einige technische und organisatorische Probleme zu überwinden. Auch die Kostenfrage ist bisher noch nicht beantwortet. Nicht zuletzt monieren Ärzteverbände immer wieder, dass die Datenschutzproblematik nicht zufriedenstellend gelöst worden ist. Sie sehen dadurch das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient gefährdet schreibt Robert A. Gehring bei golem.de. Auch Detlef Borchers weiss bei heise online nichts Gutes über die Datensammelwut der Krankenkassen zu berichten. Die Krankenkassen nötigen ihre Versicherten zur Abgabe einer „Einwilligungserklärung zur Datenerhebung und Datenweitergabe“ und das verstösst gegen geltendes Recht.

Wenn nun jeder über jeden Daten sammelt und ihn überwacht – der Staat, die Krankenkassen, die Versicherungen, die Banken, der Einzelhandel, die Werbewirtschaft, iTunes, Amazon und nun auch noch Microsoft, dann haben wir die totale Transparenz. Wer sollte da etwas dagegen haben, der selber nichs zu verbergen hat? So viel Totales erinnert mich doch stark einen Gefreiten aus Linz mit einem schmalen Oberlippenbart und einer unverwechselbaren Stimme mit totalem Herrschaftsanspruch. Aber weder ihm und seinen Schergen noch dem Erich und seiner Stasi sind derartige Überwachungsmassnahmen in den Sinn gekommen, wie sie zur Zeit in Planung oder bereits Alltag sind. Alles im Namen der Effizienz und zum Wohle der Menschheit.

Heute fragte mich ein Verkäufer: „Was, Sie haben noch keine CUMULUS-Karte?“ Nein, habe ich nicht – und auch keine Supercard oder sonst eine „Mach-mich-gläsern-Kundenkarte“. Bekommen habe ich schon einige, nur brauchen tue ich keine. Meine Krankenkassenkarte ist aus reinem Kunststoff, hat keinen Chip und speichert keine Daten. Auf ihr steht lediglich meine Versicherungsnummer und die Notfall-Telefonnummer der Krankenkasse. Mehr brauche und will ich nicht. Das kostet fast nichts und verursacht auch keine Datenschutzprobleme.