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Die Unheimlichen Herrscher des Internets

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Dienstag, 23. Oktober 2007

Das Internet erfreut uns täglich durch die Reichhaltigkeit seiner Inhalte und die Schnelligkeit der Informationen. Solange wir nicht Opfer eines Online-Verbrechens werden, machen wir uns keine Gedanken darüber. Wie schon Darth Wader in Star Wars von der dunklen Seite der Macht in Beschlag genommen wurde, so werden aber auch einige Zeitgenossen auf die dunkle Seite des Internet gezogen. In der (vermeintlichen) Anonymität des Netzes begehen sie Identitätsdiebstahl und -fälschungen, erpressen Schutzgeld von Websitebetreibern, die auf die Verfügbarkeit des Mediums angewiesen sind, und räumen fremde Bankkonten ab oder bestellen Waren auf Rechnung anderer. Die Kriminalität verlagert sich zunehmend ins Internet, denn das Risiko ist geringer als im Drogenhandel oder Waffenschmuggel und die Gewinne sind mindestens so lukrativ. Die schiere Grenzenlosigkeit des Internet ermöglicht die grenzenlose Entfaltung krimineller Energien und nicht einmal Computerspezialisten sind wirklich ganz gefeit davor. 150 Millionen Computer sollen schon unter der Herrschaft von Botnetzen ihren Dienst als willenlose Zombies verrichten. Computer Hygiene ist daher eine Grundvoraussetzung aber keine Garantie für den Schutz vor der Cyberkriminalität. Über die Risiken der Online-Welt berichten Oliver Schmidt und Markus Seitz in ihrer Dokumentation „Betrüger, Erpresser, Terroristen – Die unheimlichen Herrscher des Internets“ beim hr-fernsehen:

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(Achtung: Filegrösse ca. 233 MB)

Wenn in Zukunft die ganze Welt über das Internet vernetzt sein wird und jedes Smartphone, jeder Boardcomputer, jeder Kühlschrank und jede Klimaanlage jederzeit von überall erreichbar und somit auch attackierbar sein wird, werden wir in jeder Lebenslage online angreifbar. Noch eine Dimension brisanter wird es, wenn es sich um kritische Infrastrukturen wie Zahlungsverkehr und Wertschriftenhandel, Flugsicherung oder Stromversorgung handelt. Erst wenn wir uns das potentielle Schadenausmass der neuen Kriminalität vor Augen führen, wird uns unsere Abhängigkeit von Energie und Internet bewusst.

Wohin führt uns das? Brauchen wir in Zukunft einen Computerschein wie wir heute schon einen Führer- oder Waffenschein benötigen? Kann das Problem mit der totalen Online-Überwachung durch die Polizei gelöst werden? Ich denke nicht, denn jeder Polizeistaat hat systembedingt mehr Lücken und Schwachstellen als ein demokratischer Rechtsstaat. Also kommen wir nicht daran vorbei, uns über andere Lösungsmöglichkeiten Gedanken machen zu müssen. Die Technologie dabei ist ebenso gefordert wie die Politik und Gesetzgebung. Das wäre doch eine richtige Lebensaufgabe für gelangweilte Politiker, oder?

Nachtrag:

Cyber-Kriminelle bieten ihre Dienstleistungen mittlerweile zu Schnäppchenpreisen im Kombipaket an: Spam-Versand und gleichzeitiges Lahmlegen der Server der Konkurrenz mit einem DDoS-Angriff (Distributed Denial of Service). Exploits und darauf spezialisierte Trojaner werden hingegen zu Höchstpreisen für mehrere zehntausend Euro gehandelt. Identitätsdiebstahl geht aber auch ohne Internet, wie der Inquirer zu berichten weiss.