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DNS-Datenbanken für die Ahnenforschung und mehr

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Dienstag, 20. November 2007

DNA animatedGene zu analysieren kann eine nützliche Sache sein, um Erbkrankheiten zu erforschen oder Blutsverwandtschaften nachzuweisen. Nur haben die meisten Wissenschaftler mit Datenschutz nicht viel am Hut und kümmern sich höchstens nur vordergründig darum, um der Form Genüge zu tun. Skrupellose Geschäftemacher und andere Datensammler machen sich dies zu Nutze und verwenden die Daten auch noch für ganz andere Zwecke. Informationelle Selbstbestimmung ist zwar ein Grundrecht, das in der Praxis aber nur selten wirklich durchgesetzt werden kann. Legislative und Judikative scheint dies nur wenig zu kümmern, obwohl der Handlungsbedarf gross ist und täglich wächst.

Genealogie (Ahnenforschung) ist nicht mehr das Privileg des Adels sondern ist jedermann zugänglich und mittlerweile ein Massenphänomen. Unter dem Vorwand der „Ahnenforschung“ werden Millionen von Menschen dazu gebracht, ihren genetischen Code in Datenbanken einzuspeisen. Haben sie dies einmal getan, haben sie zugleich auch die Kontrolle über ihre Daten abgegeben und haben später keine Möglichkeit mehr, dies rückgängig zu machen. Gierig warten bereits verschiedene Interessierte darauf, sich dieser Daten zu bedienen.

Ahnenforschung ist ein Grundbedürfnis

AhnenbaumGenealogie ist besonders in Kulturen und Gesellschaften von Bedeutung, die ihre Wurzeln nicht so recht oder gar nicht kennen und auf der Suche nach der eigenen Identität sind. In unserer durch die Globalisierung und der damit verbundenen globalen, ökonomisch motivierten Völkerwanderung, die zu zunehmender Entwurzelung führt, gewinnt die Genealogie entsprechend an Bedeutung. Wer bin ich, woher komme ich und wer sind meine Vorfahren? Bin ich der biologische Vater meines Kindes? Das sind die Fragen, die uns heute die Genforschung im Rahmen der Ahnenforschung beantworten soll. Die Erforschung der eigenen Familiengeschichte ist populär – zuerst vor allem in den USA und jetzt auch in Europa.

Die DNS-Genealogie

Seit die DNS*, in der unser Erbgut codiert ist, weitgehend entschlüsselt ist, wird dieser Code auch für die Zuordnung von Erbsubstanz und Abstammungsdaten verwendet. Für die DNA-Genealogie werden nur das männliche Y-Chromosom und die weibliche Mitochondrien-DNA ausgewertet, da diese jeweils auf der gleichgeschlechtlichen Linie (d.h. vom Vater auf den Sohn bzw. vom Mutter auf die Tochter) über viele Generationen hinweg unverändert vererbt werden. Entsprechend ungenau und unvollständig sind die Resultate. Trotzdem geben sie vielen Leuten das Gefühl, sich selber durch ihre Labor-Resultate besser zu kennen, womit das menschliche Grundbedürfnis, die eigene Identität über die Herkunft zu definieren, befriedigt wird. Ohne ein Studium der Genetik und fundiertes Wissen über Genealogie ist es aber unmöglich, die Ergebnisse einer solchen DNA-Analyse zu verstehen.

Jeder kann eine Speichelprobe in ein Genlabor zur Analyse einschicken und erfährt dann, von welcher der sieben Urmütter er abstammt und welcher ethnischen Gruppierung seine Gene zugeordnet werden. Bryan Sykes, Professor für Genetik an der Universität Oxford, veröffentlichte im April 2000 die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit, bei der er 6’000 europäischstämmige Frauen um eine DNA-Probe gebeten und diese ausgewertet hatte. Gemäss seiner „Seven Daughters of Eve“-Theorie stammen 99% der Europäer von einer von sieben „Urmüttern“ ab. Mit dieser romantischen Formel köderte er bereits zahlreiche Menschen und verhalf ihnen über seine Firma Oxford Ancestors mittels DNA-Analyse zu ihrer „Urmutter“.

Mit der „Sieben Urmütter“-Theorie kann der Nutzen der Genforschung für die Ahnenforschung auch dem einfachen Mann auf der Strasse erklärt werden. Damit das Ganze nicht allzu theoretisch klingt, gab Sykes den Frauen blumige Namen: Tara, Helena, Katrine, Ursula, Valda, Xenia und Jasmine. Seither liegen DNA-Analysen im Trend. Genanalysen sollen Verwandtschaftsbeziehungen transparent machen. Wer seine genetische Abstammung entschlüsseln lassen will, bestellt ein Set von Stäbchen und Röhrchen, um sich damit ein paar Zellen von der Mundhöhle abzuschaben, die er anschliessend ins Labor zur Analyse einschickt. Bei Oxford Ancestors gibt’s den Namen der Urmutter für 120 Pfund. In der Schweiz ist ein Genealogietest bei der Gentest GmbH in Zürich von CHF 165.– bis 1’030.- erhältlich. Die Speichelproben werden in einem Labor bei Family Tree DNA in Texas analysiert. Praktisch niemand ist sich bewusst, dass der eigene genetische Fingerabdruck dabei für alle Zeiten in einer Datenbank landet und auch für fremde Zwecke ausgewertet wird. Da die meisten Genanalyse-Labors in den USA beheimatet sind, landen die meisten Genanalysen in DNA-Datenbanken im datensammelwütigsten Land unseres Planeten, das Datenschutz höchstens auf dem Papier kennt.


* DNS ist die Abkürzung für Desoxyribonukleinsäure (engl. DNA, deoxyribonucleic acid). Dies ist sogar für Wissenschaftler ein Zungenbrecher, weshalb in der Regel immer nur die Abkürzung verwendet wird. Die DNS ist eine Doppelhelix im Zellkern, deren Anordnung der Aminosäuren den genetischen Code (Genom) eines Lebewesens definiert.

Unterschiedliche Motivationen

Simplifizierte Theorien wie die der sieben Urmütter haben immer etwas Bestechendes, weil sie auf den ersten Blick so einfach verständlich und einleuchtend sind. In Tat und Wahrheit dienen sie aber meist der Manipulation, um Botschaften zu platzieren und uns so zu Dingen zu bewegen, die wir sonst nie tun würden. Bei der ganzen Diskussion um den „Klimawandel“ ist das auch nicht anders und kann an Al Gore’s „Eine unbequeme Wahrheit“ nachvollzogen werden. Der Film ist wirklich ein Meisterstück der Manipulation. In der Genealogie dient die Urmütter-Theorie dazu, unsere Neugierde auf unsere Urabstammung zu wecken, damit wir bereitwillig unsere DNS zur Analyse einsenden und diese in einer Datenbank gespeichert und mit anderen Proben verglichen werden kann. Dafür gibt es unterschiedliche Beweggründe.

Einerseits ist da die Medizin, die genetische Muster und Krankheiten einander zuordnen möchte, um gezielt nach Heilungsmöglichkeiten für genetisch bedingte Krankheiten zu suchen. Dies ist löblich und verdiente eigentlich unsere breite Unterstützung, wenn da nicht auch noch andere Interessen mit im Spiel wären. Auf der anderen Seite möchten sich Versicherung, Banken und Arbeitgeber die guten Risiken herauspicken. Aber auch staatliche Behörden sind am genetischen Code interessiert, weil dieser noch unverwechselbarer als ein Fingerabdruck ist (ausser bei eineiigen Zwillingen) und vor allem praktisch nicht gefälscht werden kann – zumindest heute noch nicht. Missbrauch und Betrug im Asylwesen beim Familiennachzug kann damit ebenso wie solcher bei den staatlichen Sozialversicherungen aufgedeckt werden. Die Anliegen der Missbrauchsbekämpfung sind hier zwar legitim, aber der Eingriff in die Privatsphäre ist doch etwas unverhältnismässig. Weiter sind auch Strafverfolgungsbehörden am genetischen Code interessiert, um Verdächtige zu identifizieren oder auch ausschliessen zu können. Am liebsten hätten alle Dateninteressierte eine genetische Totalerhebung aller Einwohner dieses Planeten in einer einzigen Datenbank. Die Projekte dazu sind sehr umstritten, aber sie laufen bereits seit Jahren.

Um den Menschen ihre Hemmungen zu nehmen und sie dazu zu bringen, ihren genetischen Code für eine Datenbank abzuliefern, werden ihnen rührende Geschichten von Einzelschicksalen aufgetischt – genau wie auch in Al Gore’s Klimaspektakel. Emotionale Motivation soll den Verstand ausschalten und zu blindem Mitmachen verleiten, ohne die präsentierten „Tatsachen“ auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu hinterfragen. Der Lemming-Effekt ist gross. Mehrere Millionen Menschen haben bereits beim genetischen Striptease mitgemacht. Durch eine Aufforderung zur Teilnahme wurde ich selber auf dieses Thema aufmerksam und fing an, ein bisschen zu recherchieren. Dabei musste ich feststellen, dass das Ganze bereits Dimensionen angenommen hat, die ich bisher kaum für möglich hielt.

Globale DNS-Totalerhebung im Namen der Genealogie

Bei der Genealogischen Gesellschaft in Island sind bereits 650’000 Personen in einer Stammbaum-Datenbank erfasst. Heute leben etwa 350’000 Menschen auf Island. Die Datenbank wurde vor allem aus schriftlichen Quellen (Kirchenarchive, Chroniken, Geburtsanzeigen, Heiratsanzeigen, Todesanzeigen, …) aus über einem Jahrtausend Geschichte zusammengetragen. Dieses Nationalstammbuch soll allen Menschen nützen, die über Anthropologie, Volkskunde oder Genetik forschen. Mit Hilfe der Computergenealogie ist die Suche und Auswertung praktisch ein Kinderspiel.

Von der genealogischen zur genetischen Forschung ist es nicht weit. Der isländische Mediziner Kari Stefansson verfolgt denn auch einen umstrittenen Plan: parallel zu den genealogischen Daten will er die Erbsubstanz aller Isländer sammeln. Eine genetische Totalerhebung in Form von Blutproben. Durch die Zuordnung von Erbsubstanz und Abstammungsdaten hofft er, die Genen zu finden, die für familiär bedingte Krankheiten verantwortlich sind – zum Beispiel für Diabetes, Schlaganfall oder Rheuma. Der kleine Inselstaat eignet sich zur Erforschung krankmachender Gene angeblich besonders gut. Fast alle Isländer stammen von einer kleinen Gruppe Wikinger ab, die das Land im 9. Jahrhundert besiedelte. Weil das Inselvolk weitgehend isoliert blieb, sind ihre Erbanlagen bis heute ziemlich ähnlich. Stefansson rief deshalb das gesamte Volk zur freiwilligen Genspende auf. Die Ergebnisse der Genanalysen sollen mit dem Nationalstammbuch verknüpft werden. So könnten genetische Muster und Krankheiten gezielt einander zugeordnet werden. Ganz Island wird zum Labor der Genforschung.

Genographic Project - Völker-MigrationenDie National Geographic Society hat in Zusammenarbeit mit IBM das „Genographic Project“ initiiert. Es ist die bisher grösste Genealogie-Studie und soll die gesamte Evolutions- und Migrationsgeschichte der Menschheit untersuchen und aufgrund der neuen Erkenntnisse wissenschaftlich aufarbeiten. Mittlerweile existiert eine Datenbank von mehr als 250’000 Erdenbürgern. Zusätzlich sollen in den nächsten Jahren mindestens 100’000 DNA-Proben von 1’000 Eingeborenenvölkern analysiert werden, um die Besiedlung der Erde durch den Menschen im Detail nachzuzeichnen. Das Projekt ist höcht umstritten. Viele befürchten, dass die Gen-Analysen zu kommerziellen Zwecken missbracht werden könnten und fordern ein Patent-Verbot für die im Projekt gesammelten Gene. Dass solche Befürchtungen sehr wohl berechtigt sind, zeigt uns die Erfahrung. Viele Wissenschaftler haben bestimmt noble Absichten, aber sie sind naiv und blind hinsichtlich der Nebenwirkungen ihrer Arbeit. Tatsache ist nun einmal, dass alles technisch Mögliche auch gemacht wird, sobald sich irgendjemand einen Vorteil daraus erhofft und er den Aufwand dafür für gerechtfertigt hält. Legal? Illegal? Scheissegal! Denn wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter. Und wenn man es nur klever genug anstellt, wird es auch nie einen Kläger geben.

DNA-Analysen zur Personen-Identifikation

Seit April 1998 betreibt das BKA in Deutschland eine Datenabank (DNS-Analyse-Datei) mit angeblich mittlerweile über 400’000 genetischen Fingerabdrücken von mutmasslich schwer kriminellen oder politisch aktiven Menschen und von Material, das an Tatorten vorgefunden wurde. Hier werden angeblich zwar noch keine vollständigen Gensequenzen sondern lediglich „genetische Fingerabdrücke“ (d.h. eine Auswahl an genetischen Teilsequenzen ähnlich wie bei der Urmutterbestimmung) gespeichert. Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit, bis die Molekularbiologie effizienter und kostengünstiger wird und die Ökonomie einer vollständigen genetischen Decodierung nicht mehr im Wege steht. Die Konsequenzen einer flächendeckenden Erfassung der genetischen Fingerabdrücke nicht nur krimineller sondern auch politisch unbequemer und auffälliger Menschen wären verheerend. Es geht bestimmt nicht lange und wir müssen unseren genetischen Code im Personalausweis mit uns herumtragen.

DNA-Suchmaschine im Web

23andMeEin neuer Dienst 23andMe (in Anlehnung an die 23 menschlichen Chromosomenpaare), gesponsert vom grössten Datensammler Google, will nun Daten über individuelles Genmaterial sammeln und online stellen, um sich im zukunftsträchtigen Markt der Online-Medizin zu positionieren. Damit könnte der Grundstein für eine globale Medizin-Suchmaschine gelegt werden. Für die Google-Beteiligung war sicher nicht ganz unerheblich, dass Google-Gründer Sergey Brin mit Anne Wojcicki, Mitgründerin von 23andMe, verheiratet ist.

Während ich diesen Artikel schreibe, lese ich gerade, dass 23andMe live gegangen ist. Die ersten spontanen Reaktionen auf die Meldung sind denn auch durch’s Band ablehnend. Auch 23andMe präsentiert sich als rein wissenschaftlicher Forschungsdienstleister, der seinen Genspendern auch bei der Ahnenforschung behilflich ist und diese einander näher bringt. Die Datenschutzerklärung von 23andMe ist der blanke Hohn. Hier noch von Datenschutz zu sprechen, braucht schon ganz viel Fantasie. Wer diesen Bestimmungen zustimmt und seine Gene einschickt, gibt damit explizit sein Einverständnis, dass diese auch an Dritte zu Forschungszwecken weitergegeben (und bei Gefallen patentiert) werden dürfen. Aber auch staatlichen Behörden (FBI, NSA, CIA, …) werden die Daten natürlich zugänglich gemacht. Und wer denkt, das sei bereits alles, erliegt einem grossen Irrtum. Wenn man bedenkt, dass Google bereits angekündigt hat, künftig auch Patientendaten zu speichern gibt das der Sache eine noch brisantere Qualität. Und Google ist nicht allein. Auch Microsoft und andere Firmen haben bereits angekündigt, in diesen angeblich zukunftsstarken Markt einzusteigen.

Was bringt uns die Zukunft?

Wer sich der genetischen Erfassung verweigert, ist bald de facto nur noch ein Zombie. Ohne genetischen Code erhält er keinen Personalausweis. Der Vermieter will ihn nicht in seiner Wohnung. Die Bank gibt ihm keinen Kredit und er darf nicht einmal ein Konto eröffnen. Die Versicherung will ihn nicht versichern. Für die Krankenkasse ist er ein unkalkulierbares Risiko. Es findet sich auch kein Arbeitgeber, der ihn einstellen würde, da er seine Eignung und Loyalität nicht genetisch belegen kann. Und natürlich gibt es Sozialhilfe auch nur für Bürger, die ihr Genom schon abgeliefert haben. Nur die Sterbehilfe-Organisation bietet ihre Dienste ohne vorgängige genetische Erfassung an. Das Material für das Labor kann sie schliesslich auch noch nach dem Ableben mit einem Wattestäbchen aus der Mundhöhle entnehmen.

Irgendwie erinnert mich das stark an den Spielfilm „Gattaca“ des neuseeländischen Regisseurs und Drehbuchautors Andrew Niccol von 1997, in dem die Vorstellung vom genetisch perfekten Menschen zelebriert wird. „Valid“ ist die Bezeichnung für ein Mitglied der genetischen Elite der perfekt gebauten Retortenmenschen in einer von der Gentechnologie und ihrer Ideologie des perfekten Menschen beherrschten Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Nur wer dazugehört, kann und darf Karriere machen. Die auf die „alte Art“ gezeugten „Invalids“ dürfen als Unterschicht deren Handlanger spielen. Der Film zeigt eine totalitär überwachte Welt, geprägt von einem brutalen „Genoismus“ – der Diskriminierung der unvorteilhaften Erbanlagen. Wollen wir in einer solchen modernen Welt der Nachfolger von Dr. Frankenstein und Dr. Mengele leben? Die Zukunft ist schon verdammt nahe …

Schlussbetrachtung

Es ist praktisch unmöglich, DNA-Spuren gänzlich zu vermeiden. Wir verlieren täglich mehr als genug Zellen, um genügend Material für Dutzende DNA-Analysen zu liefern. Die eindeutige und korrekte Zuordnung der gewonnenen genetischen Daten zum richtigen Individuum ist allerdings nicht immer zweifelfsfrei möglich und äusserst anfällig auf Manipulationen. Die flächendeckende Vollerfassung unserer genetischen Codierung würde das Ende jeglicher Anonymität und die Umkehr der Unschuldsvermutung bedeuten.

Dass DNA-Datenbanken Kuckuckskinder enthüllen und so ganze Familienchroniken ins Wanken bringen können, ist dabei wahrscheinlich noch das kleinste Problem. Durch die Preisgabe unseres genetischen Codes geben wir anderen einen Einblick in unsere Intimsphäre, die wir nicht einmal selber wirklich kennen. Dann sind wir keine Individuen mehr, die sich durch ihre Persönlichkeit definieren, sondern nur noch das Resultat unserer genetischen Codierung – Massenware mit individuellen Unterscheidungsmerkmalen.

Wer angesichts der Datenschutzproblematik seine Zellen zur DNA-Analyse in irgendwelche Labore einschickt, muss schon von Schwachsinn gezeichnet sein – Ahnenforschung und medizinische Forschung hin oder her. Eltern, die das tun, schaden nicht nur sich selber sondern auch ihren Kindern!

Nachtrag (20.11.2007; 23:00)

Das Thema scheint plötzlich voll im Trend zu liegen. Und ich dachte, das interessiere nur einen kleinen Kreis von weltweit ein paar Hundertausend Genealogie-Junkies. Auch das ORF befasst sich bereits mit der DNA-Genealogie. Bei infamy fand ich heute dank einer Kurzmeldung in heute einen Beitrag mit weiteren Informationen und dem folgenden Video der beiden 23andMe-Gründerinnen Anne Wojcicki und Linda Avey:


DNA-basierte Partnervermittlung und Werbebannereinblendung? Schnapsideen bereichern das Leben.



7 Kommentare

  1. Kommentar von LD
    Freitag, 23. November 2007; 22:34

    Wer noch mehr Details zu genetischen Fingerabdrücken sucht, findet dazu eine gute Zusammenstellung bei „Der Grosse Bruder“
    https://www.dergrossebruder.org/miniwahr/20020119000000.html

  2. Kommentar von LD
    Sonntag, 25. November 2007; 20:06

    Äusserst lesenswert:
    Stellungnahme von Dr. Thilo Weichert, Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) zum „Entwurf eines Gesetzes über genetische Untersuchungen bei Menschen (Gendiagnostikgesetz – GenDG)“.

  3. Kommentar von ds
    Samstag, 1. Dezember 2007; 03:14

    Wie man Genetische Ahnenforschung durchführt ist hier beschrieben:
    http://www.dirkschweitzer.net/DNATests.html

  4. Kommentar von Levente J. Dobszay
    Samstag, 1. Dezember 2007; 13:34

    Hallo Dirk,

    deine Doku ist ja recht umfassend, aber für Menschen ohne Biologie- oder Chemiestudium wahrscheinlich eher etwas zu technisch. Du scheinst Dich ja richtig ins Zeug zu legen für die DNA-Genealogie. Hast Du Dir auch schon mal Gedanken über die Risiken und Nebenwirkungen gemacht?

    Gruss,
    LD

  5. Kommentar von Markus Röhling
    Samstag, 1. Dezember 2007; 14:57

    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich finde allerdings, sie sollten sauberer zwischen den tatsächlich gespeicherten Daten und den Mißbrauchsmöglichkeiten unterscheiden.
    Mißbrauchsmöglichkeiten gibt es immer, aber theoretisch gilt z.B. bei FamilyTreeDNA: Die eingesandten Proben werden in einem Labor, dem die Identität der betreffenden Person nicht bekannt ist, auf genau die beauftragten Merkmale getestet. Die Probe wird dann je nach Wunsch des Kunden entweder für weitere Tests aufbewahrt oder vernichtet. Die ermittelten Daten sind dann ebenfalls je nach Kundenwunsch paßwortgeschützt auf den Internetseiten von FamilyTreeDNA verfügbar oder werden dem Kunden mitgeteilt und anschließend gelöscht.
    Sie schreiben zwar, daß „der eigene genetische Fingerabdruck dabei für alle Zeiten in einer Datenbank landet und auch für fremde Zwecke ausgewertet wird“, einen Beleg liefern Sie jedoch nicht. Falls Sie für Ihre Behauptung Belege besitzen, wäre ich sehr daran interessiert, da dies den Bedingungen von FamilyTreeDNA widerspräche.
    Daß mancher dann anschließend seine Textergebnisse öffentlich im Internet zugänglich macht, steht auf einem anderen Blatt. Auch dann gilt aber immer noch: Die Ergebnisse von genealogischen Tests sind im Normalfall (Vergleich von Merkmalen des Y-Chromosoms oder der mitochondrialen DNS) kein genetischer Fingerabdruck, sondern eine Reihe von Merkmalen, die einer Vielzahl von Menschen gemeinsam sind.
    Und ansonsten gilt: Nach jedem Gaststättenbesuch so lange dort bleiben, bis die Spülmaschine mit dem eigenen Bier- oder Weinglas angelaufen ist. Außerdem ist niemand verpflichtet, an einem genealogischen Gentest teilzunehmen. Ganz im Gegensatz zur Vorratsdatenspeicherung.

  6. Kommentar von Levente J. Dobszay
    Samstag, 1. Dezember 2007; 16:18

    Gerichtlich verwertbare Beweise für den systematischen Missbrauch von DNA-Datenbanken halte ich keine in den Händen. Und wenn ich solche hätte, würde ich das nie zugeben. Ich kann Ihnen aber aufgrund meiner langjährigen Berufspraxis versichern, dass Datenmissbrauch in jeglicher Form zum Tagesgeschäft von manch einem Unternehmen gehört, das sich nach aussen als äusserst seriös und vertrauenswürdig präsentiert. Zu verlockend ist der erzielbare finanzielle Nutzen bzw. das Gefühl der Macht über sensible Daten. Das beginnt mit dem Adresshandel und geht sogar bis über DNA-Daten hinaus. Es wird meist einiges mehr gespeichert, als notwendig und erlaubt ist.

    DNA-Genealogie oder Genforschung verteuflich ich nicht grundsätzlich. Den Nutzen für die medizinische Forschung will ich in keinster Weise unter den Tisch kehren. Ich bin aber ein wenig erstaunt, mit welcher Naivität viele sonst hoch-intelligente Wissenschaftler mit der Materie umgehen, ohne sich um (mögliche) Kollateralschäden zu kümmern. Und die meisten Journalisten verarbeiten wissenschaftliche Texte, die sie nicht wirklich verstehen, zu Artikeln mit reisserischen Schlagzeilen, um die Auflage zu steigern. Dies widerspiegeln auch die Suchergebnisse in Suchmaschinen.

    Gruss,
    LD

  7. Kommentar von yahoo webseiten optimierung
    Freitag, 21. Dezember 2007; 21:25

    Sehr gute Informationen. Ich werde diesen Blog auf jedenfall weiter beobachten. Dank und Gruss