Day: Mittwoch, 22. August 2007

Websites und Domains im Steuerrecht

Dass Domain-Recht inzwischen auch mit Steuerrecht zu tun hat, hat erst letztes Jahr der Bundesfinanzhof in einem Grundsatzurteil verdeutlicht. In einem Beitrag für das Online-Magazin AdvoGarant.de hat der Berliner Steuerberater Alexander Fuchs die Kosten von Internetpräsenzen daher einmal steuerlich und handelsrechtlich näher beurteilt.

Zunächst gilt es zwischen dem Domain-Namen und dem Online-Auftritt selbst zu differenzieren. Letzterer ist als immaterieller Vermögensgegenstand des Anlagevermögens zu charakterisieren; er darf handelsrechtlich und steuerlich nur aktiviert werden, wenn er entgeltlich erworben worden ist. Wer sich nun eines externen Anbieters bedient, um seine Webseite erstellen zu lassen, hat dabei zunächst die Kosten zu bezahlen, die für die reine Erstellung anfallen. Hierbei können unter anderem Anschaffungskosten wie Reisekosten oder eigene Personalkosten entstehen. Können diese der Erstellung der Homepage direkt und einzeln zugeordnet werden, sind sie zu aktivieren; ist eine unmittelbare Zuordnung nicht möglich, kommen Betriebsausgaben in Betracht. Der aktivierte Vermögensgegenstand Homepage kann sodann über die so genannte betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer linear abgeschrieben werden; regelmässig sind dafür drei Jahre anzusetzen.

Ist die Website dann erst einmal erstellt, folgen die Kosten für deren Wartung und Pflege. Werden die Inhalte dagegen lediglich aktualisiert, liegt ein sofort abzugsfähiger Erhaltungsaufwand vor. Wer investiert, um den Gebrauchswert seiner Internetseite zu erhöhen, schafft einen neuen Vermögensgegenstand.

Bei Domain-Namen gilt die Grundsatzentscheidung des Bundesfinanzhofes (BFH) vom 19.10.2006 (Az.: III R 6/05). Danach sind die Aufwendungen für den Domain-Namen Anschaffungskosten für ein nicht abnutzbares immaterielles Wirtschaftsgut des Anlagevermögens, die bei der Gewinnermittlung durch Einnahmenüberschussrechnung erst im Zeitpunkt der Veräusserung oder Entnahme des Wirtschaftsgutes als Betriebsausgaben zu berücksichtigen sind (§ 4 Abs. 3 Satz 4 EStG). Die Domain ist demnach ein immaterieller Vermögensgegenstand (§ 266 Abs. 2 Buchst. A I 1 HGB) und damit zugleich ein immaterielles Wirtschaftsgut. Eine wirtschaftliche Abnutzung einer Domain sah der BFH jedoch nicht, da die Nutzbarkeit der Domain weder rechtlich noch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zeitlich begrenzt ist.

(Quelle: domain-recht.de)

Wegen Google im Knast

Das BKA hat den Berliner Stadtsoziologen Andrej H. unter dem Verdacht der „Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung gemäß § 129a“ festgenommen, weil die BKA-Beamte mit einer Google-Suche nach den Begriffen „Gentrification“ und „Prekarisierung“ auf ihn aufmerksam wurden. Dabei hat der Mann lediglich zu den Begriffen geforscht. Er ist inzwischen gegen Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen worden.

Die Inhaftierung des Wissenschaftlers hat einen internationalen Protest ausgelöst. Wer kontrolliert eigentlich das BKA? Geniessen die Herren dort Narrenfreiheit? Ein bisschen intellektuell schwach dotierte Narren scheinen sie schon zu sein.

Online-Werbung soll Firefox verbannen

Danny Carlton alias Jack Lewis erklärt im Namen der Online-Werbung dem Open Source Browser Firefox den Krieg, weil dieser Erweiterungen wie AdBlock Plus (den ich übrigens selber nutze) zulässt, die lässtige Werbung vom Bildschirm des Nutzers fern halten. Er fordert Webmaster auf, alle Besucher mit dem Browser Firefox auszusperren und stattdessen auf whyfirefoxisblocked.com umzuleiten, wo diese dann auch gleich den Grund für ihren Ausschluss erfahren können. Wenn man die Website von Jack Lewis mit dem Firefox-Browser besucht, erhält man nur den Text „You’ve reached this page because the site you were trying to visit now blocks the FireFox browser“. Jack erklärt das dann so: Software, die Werbung blocke, verletze die Rechte der Webseitenbesitzer, und Werbeblockierung sei Diebstahl, weil den Besitzern von Webseiten mit geblockter Werbung die Kontrolle ihres eigenen geistigen Eigentums verwehrt werde. Da hat wohl jemand Immaterialgüterrecht studiert!

Über diesen Schwachsinn entrüsten sich viele Blogger und auch die Kommentare zu entsprechenden Beiträgen (Firefox wegen Werbeblocker ausgesperrt, Werbung blocken, Firefox und Werbung, Firefox: wir müssen leider draussen bleiben) sind so häufig wie sonst selten zu einem Thema. Die Idee ist nicht einmal so neu. Vergleichbare Pläne hatte bereits 2001 die Firma mediaBeam GmbH und richtete ihre Aktion damals gegen den Webwasher, wie am 28.09.2001 bei heise online zu lesen war. Und schon damals lachte die Welt über diese Idee zur Zensur.

Wenn ich in einer Tageszeitung Werbung nicht sehen will, blättere ich einfach weiter. Deswegen untersagt mir der Herausgeber des Blattes zum Glück nicht, in der Zeitung weiterzulesen. Wieso soll das in der Online-Welt anders sein? Tatsächlich schneiden sich alle Werbetreibende ins eigene Fleisch, wenn sie den Aufforderungen von Jack Lewis folgen. Werbung, die niemand sehen will, ist nur lästig und kann niemals die gewünschte Wirkung erzielen, auch wenn Menschen dazu genötigt werden, sich die Werbung anzusehen.

Solche Boykott-Aktionen sind nicht nur überflüssig und ärgerlich sondern sie bringen die Online-Werbung  in Verruf und verfälschen zudem auch deren Messungen. Dagegen nützt auch eine Modernisierung der Messverfahren nicht. Der Online-Marktforscher Nielsen/NetRatings hatte angekündigt, künftig von der Anzahl der Page Views als Metrik für die Messung der Reichweite von Online-Werbung beziehungsweise der Werberezeption auf die mittlere Verweildauer umsteigen und comScore Media Metrix will die Anzahl „Single Visits“ als Messverfahren etablieren. So hat auch die Messung von zugelassener Werbung ihre Tücken. Da helfen auch neue Metriken nichts. „Wer misst, misst Mist“ hatte ich erst kürzlich einen Beitrag bei Wortgefecht kommentiert und darauf hingewiesen, dass die korrekte Messung der Medien- und Werbenutzung ein Problem ist und bleibt, das ohne einen Spy-Agent beim User nicht gelöst werden kann.

Mein Aufruf an alle Werbetreibende: Lasst doch jeden die Werbung sehen, die er sehen will, und nötigt ihn nicht zum Zwangswerbekonsum! Und vergesst Euren Anspruch, im Web etwas genau messen zu können!