Month: August 2007

Windows-Update war schuld am Skype-Ausfall

Anscheinend war Microsofts Patchday für den rund 48-stündigen Ausfall von Skype verantwortlich, weil das Windows-Update am Donnerstag innerhalb kurzer Zeit Millionen von Computer weltweit zum Neustart aufgefordert hat, wodurch eine massive Welle von Login-Anfragen bei Skype bei durch die Bootvorgänge fehlenden P2P-Netzwerk-Resourcen eine Kettenreaktion mit kritischen Folgen ausgelöst wurde.

Die Externalisierung von Infrastruktur-Kosten hat zusammen mit Microsofts Flickaktion ihren Tribut gefordert. Die Demokratisierung des Webs ist eine gute Sache. Aber mit P2P-Netzen lassen sich eben nicht wirklich stabile und hochverfügbare Infrastrukturen bauen. Für Hobby-Zwecke sind sie dennoch ausreichend. Ob Skype jemals wirklich den Sprung in die Liga der professionellen VOIP-Anbieter schaffen wird, kann angesichts der aktuellen Architektur bezweifelt werden.

Grundsatzurteil zu Online-Musikvertrieb

Die dänische Band „Dodo and the Dodos“ hat sich das Recht auf Neuverhandlung der Online-Vertriebskonditionen gegen Sony BMG erkämpft.

Der Konzern hatte ohne schriftliches Einverständnis der Musiker deren Songs per Download verkauft – und zwar zu den selben Konditionen wie im Tonträgergeschäft. Das bedeutet unter anderem Abzüge für Herstellung, Transport und Transportschäden, wie in der guten alten Zeit der schwarzen Rillenscheiben. Jetzt müssen die Vertriebsdetails neu verhandelt werden. (Quelle: testticker.de)

Die Begründung des Urteils ist einleuchtend und fair. Daher könnte es durchaus auch auf internationaler Ebene Schule machen. Dies hätte weitreichende Konsequenzen für das Online-Musikgeschäft.

Skype lebt wieder

Skype funktioniert wieder und das freut die ganze Fangemeinde. Der jüngste Ausfall des Internettelefonieanbieters durch einen Softwarefehler zeigte einerseits das Problem der Architektur und der Verfügbarkeit des Systems und andererseits das Verbesserungspotential von Skype in Sachen Krisenkommunikation. Ich fühle mich jedenfalls in meinem Zweifel bestärkt, dass der Preis für den Kauf durch eBay nicht ganz gerechtfertigt war.

Internet-Telefonie Skype ist krank

Skype hat Schluckauf“ weiss Golem zu berichten. Und wieder einmal fühle ich mich in meiner Skepsis gegenüber Skype bestätigt. Diesmal ist es nicht der Datenschutz oder die Externalisierung von (Infrastruktur-) Kosten sondern die Verfügbarkeit des Dienstes. Auch ich schaffe es zur Zeit nicht, mich mit Skype zu verbinden. Bei aller Schadenfreude empfinde ich schon fast auch Mitleid für die Kollegen, die in enthusiastischem Technologiepionier- und Billigtelefonierwahn ihren Festnetzanschluss vor mehreren Monaten sowohl privat als auch geschäftlich gekündigt haben und seither nur noch über Skype telefonieren. Bis jetzt jedenfalls.

Aus Schaden wird man Klug“ heisst ein altes Sprichwort, das mich meine Oma schon als Kind gelehrt hat. Technologieexperten wissen: der Kluge lässt Vorsicht walten und macht nicht gleich jeden Hype mit – jedenfalls nicht exklusiv. Mindestens eine Fallbacklösung muss sein, wenn man auf Technologie in den Kinderschuhen setzt. Ja, natürlich bietet Skype ganz nette Features. Aber die sind nur nett, wenn sie auch funktionieren.

Shenzhen realisiert die totale Überwachung seiner Bürger

Die Hightech-Metropole in der Nähe von Hong Kong hat heute schon 20’000 Überwachungskameras mit automatischer Gesichtserkennung für die Polizei und 180’000 private Überwachungskameras berichtet die New York Time. Hinzu kommen nun Personalausweise mit Überwachungs-Chips für jeden der über 12 Millionen Einwohner von Shenzhen, die jede Bewegung verfolgen und höchst sensible persönliche Daten (Name, Adresse, Geburtsdatum, Bildungsweg, polizeiliches Führungszeugnis, Telefonnummer des Vermieters, …) über ihren Inhaber speichern. Das stellt sogar die Briten und Amerikaner in den Schatten! Ohne diesen Ausweis ist ein Leben in der Stadt nicht mehr möglich: keine Aufenthaltserlaubnis, kein Job, keine staatlichen Dienst- und Sozialleistungen. So erlangt der Staat die volle Kontrolle über seine Bürger zurück, die er im Zuge der Modernisierung des Landes schon zum Grossteil verloren hat. 1:0 für die Einheitspartei. Datenschützer sind alarmiert und schockiert, aber ich bezweifle, dass sie überhaupt irgendeinen Einfluss ausüben können.

Kostenloser Baukasten für MMOGs

Die US-Firma Multiverse, die 2004 von ehemaligen Netscape-Mitarbeitern gegründet wurde, stellt ihren Baukasten für MMOGs (Massively Multiplayer Online Games, zu Deutsch Mehrspieler-Online-(Rollen)spiele) und 3D-Onlinewelten für nicht-kommerzielle Nutzung kostenlos zur Verfügung. Kommerzielle Web-Plattformen bezahlen zehn Prozent des Umsatzes als Lizenzgebühr.

Technologisch stellt dies zwar keine Revolution dar, aber es ermöglicht jedem auch weniger erfahrenen Entwickler den Zugang zu dieser Technologie, weil es bereits viele mächtige Funktionen kostenlos bereitstellt, die sonst aufwendig programmiert werden müssen. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig und ermöglichen ganz neue Formen der Online-Kommunikation bis hin zu computergeneriertem, synthetischem Realtime Web-TV in virtuellen Welten. Die Grafik-Qualität ist jedenfalls schon ganz beindruckend. Neue Anwendungen werden sicher nicht lange auf sich warten lassen.

Das Internet manipuliert die Welt

Google’s Wirtschaftmacht im Onlinebereich wird wieder einmal deutlich. Seit der Suchriese seinen Indexierungs-Algorithmus kürzlich modifiziert hat, zählen viele Websites stark veränderte Besucherzahlen. Vorerst ist dieser Zusammenhang aber erst eine Mutmassung. Konkrete Beweise, dass der Verkehrsschwund auf Seiten wie Answers.com oder Technorati auf die Änderungen bei Google zurückzuführen sind, gibt es (noch) nicht. Wie der Einfluss von Suchmaschinen und anderen Content-Intermediären auf die Wirtschaft in Zukunft in der Rechtspraxis beurteilt wird, kann noch nicht eindeutig beurteilt werden. testticker.de meint dazu: „Irgendwann in naher Zukunft könnten deswegen die ersten Prozesse gegen Google anlaufen„. Darauf bin ich ja gespannt …

Wie leicht und kostengünstig manipulierbar diese Welt über das Internet ist, zeigen auch die akutellen Aktienmanipulationen durch Spam (meine Spambox ist auch voll davon). Jedenfalls ist die gezielte Verbreitung von Informationen dank Internet so leicht wie nie zuvor. Werden Informationen geschickt aufbereitet und über die richtigen Kanäle gestreut, verfehlen sie ihren Einfluss nicht. Kenntnisse in Kommunikations- und Wahrnehmungspsychologie sind dabei sicher von Nutzen. Aus meinen eigenen Experimenten kann ich noch keine eindeutigen Schlüsse ziehen, die einer wissenschaftlichen Untersuchung Stand halten würden. Gewisse Tendenzen lassen sich jedoch jetzt schon klar erkennen. Ich gehe davon aus, dass der Einfluss des Internets in den kommenden Jahren in fast allen Lebensbereichen massiv zunehmen wird (wenigstens solange wir genügend elektrische Energie zur Verfügung haben) und dass wir uns von einem deterministischen Weltbild im Marketing werden verabschieden müssen.