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Wikipedia missbraucht

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Dienstag, 22. April 2008

WikipediaWikipedia ist eigentlich ein Online-Lexikon. Jedenfalls wurde es von Jimmy Wales für diesen Zweck ins Leben gerufen. Seit einiger Zeit finden sich dort aber auch Inhalte, die definitiv nicht in eine Enzyklopädie gehören, denn auch findige Marketing- und Werbeleute haben die Plattform für ihre Zwecke entdeckt. Die Zahl dieser Einträge nimmt stark zu. Das scheint aber keinen wirklich zu interessieren.

Für Unternehmen und Marken (Siemens, Fiat, BMW, Coca-Cola, Ricola, Rolex, Gucci) und Produkte (Honda Accord, Apple iPod, HSDPA-USB-Modem Huawei E220) wird hier kräftig Werbung und Imagepflege gemacht. Aber auch Politiker (Guido Westerwelle, Christoph Blocher, Hillary Clinton) und deren Kinder, Manager (Marcel Ospel, Peter Brabeck, Josef Ackermann), Künstler (Vincent van Gogh, Christoph Schlingensief, Christo und Jeanne-Claude), Medienschaffende (Roger Schawinski, Leo Kirch, Stefan Raab), Schriftsteller und Buchautoren (Rosamunde Pilcher, Donna Leon, Arthur Adamov, Gerald Reischl), Wissenschaftler (Franz Ziegler, Lothar Machura, Marie Curie) und auch Pornodarsteller (Aria Giovanni, Crissy Moran, Dolly Buster, Erica Campbell (bereits zur Löschung vorgeschlagen)) erhalten bei Wikipedia ein lexikales Denkmal – ganz egal, wie bedeutend und wertvoll ihr Schaffen und Wirken ist oder gewesen ist. Die hier genannten Beispiele stellen eine Auswahl aus irrelavanten bis bedeutenden Einträgen dar. Die Wertung sei dem geneigten Leser selber überlassen.

Besonders Top-Manager in Grosskonzernen und andere Selbstdarsteller verpassen sich gerne auf Wikipedia eine kostenlose Online-Reputation. In Fachkreisen läuft dies allgemein unter „Personal Branding“. Für den Rest ist es nur ein Element in ihrer Suchmaschinenoptimierung. Solange niemand nach den eigentlich überflüssigen Einträgen sucht, fristen sie ein dunkles Dasein und stören gar nicht weiter. Wenn sie aber den PageRank bei Google beeinflussen, weil Google die Enzyklopädie als höchstrelevant einstuft und jeder Link von dort PageRank-Punkte für eine dort gelistete Website gibt, dann ist dies als gezielte Manipulation zu werten. Warum Google diese Art der „Suchmaschinenoptimierung“ einfach so hinnimmt und nichts dagegen unternimmt, ist mir schleierhaft.

Ich wollte es ganz genau wissen und liess einen Wikipedia-Eintrag zu meiner Person erstellen. Dieser wurde jedoch von einem Hüter des Wikipedia-Grals umgehend als Werbung klassiert und bereits nach wenigen Minuten gelöscht. Mein lexikales Denkmal war daher nur von sehr kurzer Dauer. Umso mehr erstaunt es mich, dass es weiterhin tausende von Einträgen gibt, welche ausschliesslich der Werbung und Imagepflege dienen. Daher mein Apell an alle Wikipedia-Autoren: Säubert die Enzyklopädie vom Müll, sonst ereilt Wikipedia das gleich Schicksal wie Neapel!



4 Kommentare

  1. Kommentar von Matthias
    Dienstag, 29. April 2008; 20:02

    Schlecht recherchiert. Wikipedia vererbt schon seit Jahren keinen Page Rank mehr, der (neben bei bemerkt) auch gar nicht mehr für das „Ranking“ steht.

    http://www.rentaseo.de/web-marketing/social-media/fragen-rund-um-wikipedia.html

    Lies Dir einfach mal diesen Artikel durch. Danke.

  2. Kommentar von LD
    Dienstag, 29. April 2008; 23:12

    Ein Link bei Wikipedia auf eine Website gibt durchaus PageRank-Punkte bei Google, wie ich aus eigenen Experimenten schliessen kann. Ein einziger Link bringt schon mal rund 0.5 Punkte.

    Danke trotzdem für Deinen Beitrag! Vielleicht hilft er etwas, den Frust manch eines Wikipedia-Autors zu vermeiden.

  3. Kommentar von Ernst Probst
    Freitag, 9. Mai 2008; 17:28

    Jede Internetseite, auf der jeder bzw. jede etwas schreiben kann, wird bald missbraucht. Aus diesem Grund lasse ich auf meinen Weblogs keine Kommentare mehr zu, was manchen Besucher bzw. manche Besucherin erzürnt. Den Vogel schoss ein Amerikaner auf einem Forum von mir ab, als er dort rund 1000 Porno-Links veröffentlichte.

  4. Kommentar von LD
    Freitag, 9. Mai 2008; 23:56

    @Ernst: Vor Missbrauch ist man im Internet nie ganz sicher. Mit den WP-Plugins „Akismet“ und „Trackback Validator“ bin ich bis jetzt sehr gut gefahren. In einem ganzen Jahr rutschen max. 1-2 Spam-Kommentare durch, die man dann manuell entfernen kann. Ein Blog, bei dem man nichts kommentieren kann, ist Einwegkommunikation und ohne die Feedback-Möglichkeit uninteressant. Für mich jedenfalls.

    @Matthias: Danke für den Textpattern-Link. Scheint mir auch ein recht einfaches CMS zu sein, für meinen Geschmack aber etwas zu mager. Serendipity und Movable Type gefallen mir da zumindest auf den ersten Blick besser. Wenn ich Zeit habe, werde ich es mal testen. Vorerst bin ich mit meinem WordPress ganz zufrieden.
    An die Oberpfalz habe ich übrigens noch gute Erinnerungen … 🙂