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Google versucht Bauchlandung mit Bezahlinhalten auf YouTube

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Montag, 20. April 2009

Google BauchlandungDas aktuelle Geschäftsmodell ist ein Auslaufmodell, denn schliesslich hat Google den Zenit bereits längst überschritten, auch wenn der Kurs der Google-Aktie im Moment irrationalerweise gerade wieder steigt, nachdem er von Ende 2007 bis Ende 2008 auf weniger als die Hälfte abgestürzt ist. Das schöne Ergebnis des ersten Quartals dieses Jahres konnte nur dank einem rigorosen Sparkurs erreicht werden, der die Streichung von Dutzenden von Projekten und von Mitarbeitervergünstigungen sowie die Schliessung von Entwicklungszentren und die Entlassung mehrerer Tausend (vor allem freier) Mitarbeiter zur Folge hatte. Neue Konzepte sollen wieder Wachstum ermöglichen – doch diesmal bezahlt der Benutzer dafür.

Seit Jahren ist Google krampfhaft auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, Einnahmequellen zu erschliessen. Anscheinend hat der Suchriese den Glauben an die Werbeindustrie etwas verloren, welche bislang die einzige wesentliche (wenn auch nicht ganz die einzige) Einnahmequelle darstellt. Die teuer hinzugekaufte Tochter YouTube war bisher nur eine Geldvernichtungsmaschine ebenso wie auch alle anderen Gratisangebote, die vor allem auch darauf zielen, dem Konkurrenten Microsoft das Wasser abzugraben.

Nun ist Schluss mit der uneingeschränkten Kostenloskultur bei Google. Neu sollen Nutzer für gewisse Inhalte auf YouTube in die Tasche greifen müssen, um dazu beizutragen, die Videoplattform endlich in eine Geldkuh zu verwandeln. Google soll auch schon Verträge mit Sony Pictures, CBS, MGM, Lionsgate, Starz und der BBC abgeschlossen haben, um die Kostenlosplattform zu einem Video-on-Demand-System mit Pay-per-View-Inhalten zu erweitern. Dass Benutzer für Inhalte bezahlen müssen, ist ein Novum bei Google und wird bestimmt nicht überall auf Gegenliebe stossen.

Ich wage ernsthaft zu bezweifeln, dass sich Bezahlinhalte im Internet mit Mikrobezahlsystemen wie Google Checkout oder sonst einem der vielen Bezahlsysteme jemals richtig durchsetzen werden, sei es nun in Verbindung mit Abomodellen oder mit Abrechnung nach effektiver Nutzung (pay per use). Bereits vor fünf Jahren kam ich zum Abschluss meines Nachdiplomstudiums in meiner Diplomarbeit „Pay Content – Konzeption und Marketing“ zum Schluss, dass das so nie und nimmer funktioniert, weil die Akzeptanz sowohl für Mikrobezahlsysteme als auch für die Bezahlung für Inhalte im Web generell bei den Nutzern aus diversen Gründen nicht erreicht werden kann und Abos generell nur bei Dienstleistungen und Produkten funktionieren, bei denen der Kunde im Voraus ganz genau weiss, was er für sein Geld bekommt, und keine Überraschungen fürchten muss.

Offenbar hat Google im Sparwahn auch schon seine besten Strategen entlassen. Aber vielleicht liege ich ja mit meiner Einschätzung völlig daneben. Die Zunkuft wird es uns schon bald zeigen.



2 Kommentare

  1. Kommentar von gebsn
    Montag, 20. April 2009; 13:14

    Interessant. Was mich immer wieder erstaunt, ist die Tatsache, dass über Mobiltelefone wunderbar Geld für Applikationen und Nonsens (Klingeltöne) eingefahren werden kann, dies jedoch im Internet nicht einmal für hochqualitativen Content (z.B. Zeitungen) richtig klappt. Vielleicht müsste ebenfalls eine Abrechnung über den Internetprovider versucht werden oder die Angebote mehr auf die Jugendlichen gezielt werden, die dann das Geld ihrer Eltern verprassen? (um’s mal aus der nüchternen Sicht von Google, Facebook und Co. zu betrachten)

  2. Kommentar von LD
    Montag, 20. April 2009; 19:11

    Wieviel Geld gewisse Kiddies für ihr mobiles Gadget ausgeben, erstaunt mich auch immer wieder. Klingeltöne sind immer noch ein lohnendes Geschäft, so nutzlos und völlig überteuert sie auch sein mögen. Nur so lässt sich erklären, warum sich alle auf das Mobile Business stürzen. Ich frage mich, wielange hier noch wirklich Geld verdient werden kann. Schau’n mer mal, dann seh’n wer schon …