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Manipulation durch Medien

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Mittwoch, 21. Oktober 2009

Von den Massenmedien geht eine ungeheure Macht aus, deren wir meist gar nicht so bewusst aber deren Einfluss wir tagtäglich ausgeliefert sind. Neben den drei offiziellen Staatsgewalten Legislative, Exekutive und Judikative bilden die Medien neben der Zentralbank die zweite inoffizielle Gewalt in einem Staat. Die Macht der Medien wäre eigentlich kein Problem, solange diese nicht für Partikularinteressen ausgenützt und missbraucht würde. Die Praxis zeigt jedoch ein anderes Bild und die Erfahrung hat uns gelehrt, dass es nur einer Minderheit gelingt, den Versuchungen der dunklen Seite der Macht zu widerstehen.

Die Manipulation durch die Medien habe ich schon in verschiedenen Beiträgen kritisiert. Besonders dass die „veröffentlichte Meinung“ als „öffentliche Meinung“ – also die Meinung der Öffentlichkeit – dargestellt wird, finde ich immer wieder störend. Die Ansichten, die Medienschaffende vertreten, können sich natürlich mit jenen der Allgemeinheit decken. Doch eine solche Meinungskongruenz ist eher zufällig, wird aber auch durch die Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch die Medien forciert.

Für den reiz- und informationsüberfluteten Zeitgenossen ist es unheimlich schwierig, in der bunten Medienwelt die Spreu vom Weizen zu trennen, d.h. zwischen sachlicher und wahrer Information und Manipulation zu unterscheiden. Die Anforderungen an die Medienkompetenz sind durch das Internet noch weiter gestiegen. Um diese Kompetenz zu entwickeln, ist es zwingend notwendig, die Mittel und Mechanismen der Manipulation zu verstehen. Erst neulich bin ich auf meinen Streifzügen durchs Web auf Rhetorik.ch auf den Beitrag „Medien und ihre Macht der Manipulation“ des Kommunikationsberaters Marcus Knill gestossen, der bereits in der Ausgabe 6/1997 der Zeitschrift „Achtung Sendung“ erschienen ist und auch heute im Web-Zeitalter noch vollumfänglich aktuell und gültig ist:

  • Die Macht der Themenauswahl
  • Die Macht der Mikrofon- oder Kamerapräsenz
  • Die Macht des Ausklammerns
  • Die Macht, darüber zu befinden, wieviel und welche Gäste eingeladen werden (Publikum)
  • Die Macht der Zumischung von Geräuschen oder Musik
  • Die Macht der Titelgebung
  • Die Macht der Bildauswahl (Fotos/Filmsequenzen)
  • Die Macht der Kameraführung
  • Die Macht der Nähe
  • Die Macht, den Hintergrund zu wählen
  • Die Macht der Tonsteuerung
  • Die Macht des Weglassens und Kürzens
  • Die Macht als Kontrollinstrument (Medien als sogenannte 4.Gewalt)
  • Die Macht der Etikettierung
  • Die Macht der An- und Abmoderation
  • Die Macht durch die Bestimmung der Spielregeln
  • Die Macht des Heimvorteils
  • Die Macht der Wortwahl
  • Die Macht, Produkte, Autoren, Veranstaltungen usw. zu fördern

In einem weiteren Beitrag „Massenmedien – Medien für die Massen“ (erschienen in der Zeitschrift „Achtung Sendung“, Nr. 8/2000) beleuchtet Knill zusätzlich auch die massenpsychologischen Phänomene. Wer sich noch nie eingehend mit der Materie auseinandergesetzt, empfehle ich bei Beiträge wärmstens zur Lektüre, denn wie Knill selber so schön sagt:

„Mit Massenmedien umgehen können will auch heissen, die Gesetzmässigkeiten der Massenkommunikation und die wichtigsten Phänomene der Massenpsychologie kennen.“



5 Kommentare

  1. Kommentar von gebsn
    Mittwoch, 21. Oktober 2009; 19:09

    Man könnte sogar so weit gehen zu forden, dass ähnlich wie bei Medikamenten, Zigaretten etc. Medienbeiträge entsprechende Warnungen enthalten sollten.

    Mein Aha-Erlebnis vor vielen Jahren war (Noam Chomskys?) TV-Doku „Manufacturing consent“. Sehr empfehlenswert.

  2. Kommentar von LD
    Donnerstag, 22. Oktober 2009; 10:16

    Der Dokumentarfilm „Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media“ von 1992 hat auch etliche Preise gewonnen. Für alle Interessierten hier zu sehen:

    Doch die Medien und ihre Wahrnehmung in der Öffentlichkeit haben sich durch diesen Film nicht wirklich geändert.

  3. Kommentar von sspross
    Donnerstag, 22. Oktober 2009; 14:42

    Ich gehöre zu einer relativ jungen Generation und sofern ich mich richtig erinnern kann war mein erster Kontakt mit diesem Thema im alter von 12 Jahren, man wird lachen, der James Bond Film Tomorrow Never Dies (1997) (IMDB).

    Seither habe ich so meine liebe Mühe mit den Medien. Werde mir bei Gelegenheit ‚Manufacturing Consent‘ mal ansehen.

  4. Kommentar von Meinereiner
    Montag, 26. Oktober 2009; 07:11

    Eine alte Sache und wer die Boulevardmedien kennt wird ob der Wirkung der Medien nicht überrascht sein. Es liegt auch nicht an den Medien, wenn sie manipulieren. Es liegt am Menschen, der sich manipulieren lässt. Dazu gehört auch die Nutzung vermeintlicher Gratisdienste wie Google Analytics & Co., mit denen Daten über Besucher gesammelt werden. Diese Daten werden dann via Medium (=Einzahl von Medien!!) genutzt, um den Konsumenten zu manipulieren.

    Setzen wir im kleinen an und seien wir uns bewusst, wie weit die Unternehmen schon gehen um uns manipulieren zu können.

  5. Kommentar von LD
    Montag, 26. Oktober 2009; 09:20

    Bei den Medien arbeiten ja auch nur Menschen und für ein Manipulationsverhältnis braucht es (wie beim Streiten) immer zwei: einen, der manipuliert, und einen, der sich manipulieren lässt.

    Hervorragend nachvollziehen lassen sich diese Mechanismen der Manipulation (und noch weitere von Knill nicht genannte) übrigens im Film „Eine unbequeme Wahrheit“ („An Inconvenient Truth“).