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Wenn Journalisten privat bloggen

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Montag, 19. April 2010

Wir kennen sie nur immer von einer bestimmten Seite. Sie berichten über Ereignisse in einem geographisch definierten und damit begrenzten Gebiet in einem ganz bestimmten Kontext. Doch sie sehen und hören viel mehr als sie uns in den Medien berichten können und dürfen. Die Rede ist von Journalisten, die dort im Einsatz sind, wo etwas Berichtenswertes geschieht: in Krisengebieten im Ausland, an der Börse, …

Auch wenn sie sich im Beruf ein Stück weit der „politischen Korrektheit“ beugen müssen, haben sie persönlich trotzdem eine eigene Meinung, mit der sie nicht zurückhalten. Privat werden sie zu „Bürgerjournalisten“ mit professionellem Hintergrund und setzen ihre Berichterstattung dort auf einer eigenen Plattform fort, wo sie beruflich ihre Grenzen erreicht haben. Hier nur ein paar Beispiele solcher Medienhelden:

  • André Marty berichtet aus Israel über den nicht enden wollenden, sinnlosen Krieg zwischen Israelis und Palästinensern. Was er am Schweizer Fernsehen nicht sagen kann/darf oder was im Fernsehen keinen Platz findet, kommt auf seinem Blog zu Wort.
  • Frank Meyer berichtet als Wirtschaftskorrespondent für n-tv regelmässig von der Deutschen Börse. Am Bildschirm ist er immer der nette und grundsätzlich politisch korrekte Berichterstatter, der sich zwischendurch auch mal einen leicht kessen Kommentar erlaubt. In seinem Blog spricht er jedoch Klartext und nimmt kein Blatt vor den Mund.
  • Auslandskorrespondent und Kriegsberichterstatter Ulrich Tilgner tut sich schwer mit Zensur und Voreingenommenheit, blickt gerne hinter die Kulissen, wo sonst niemand hinschaut, und beleuchtet jedes Ereignis immer auch aus der Sicht derer, die sonst über keine Stimme bei den Medien verfügen. Damit tritt er quasi in die Stapfen von Peter Scholl-Latour. Seit Tilgner seine Zusammenarbeit mit dem ZDF beendet hat, weil er die mangelnde journalistische Unabhängigkeit des Senders und die Berichterstattung deutscher Medien über Krisenregionen nicht länger hinnehmen wollte, berichtet er regelmässig für das Schweizer Fernsehen über die Geschehnisse im Irak, im Iran und in Afghanistan und verfolgt nebenbei auch eigene Projekte. Tilgner bloggt nicht wirklich, aber er stellt viele seiner Artikel und Vorträge sowie TV- und Radio-Beiträge ins Web und lässt uns so an seiner Welt teilhaben.
  • Ähnlich lässt uns auch der Korrespondent Werner van Gent auf seinem „Treffpunkt Orient“ im Balkan und Nahen Osten hinter die Kulissen blicken. Mit kleinen Gruppen bereist er die Länder des Orients, die er in den letzten rund dreissig Jahren kennengelernt hat, und lässt seine Reisenden die Menschen, Kulturen und Landschaften des Orients treffen und kennenlernen. Schade, dass van Gent noch keinen Blog betreibt, wo er uns an seinen Erfahrungen und Einsichten teilhaben lässt. Aber ich bin sicher, dass ist bloss eine Frage der Zeit.

Wir bräuchten mehr von diesen Journalisten und sie sollten wirklich die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit berichten dürfen. Dann wäre die Berichterstattung in den Medien wesentlich näher an der Wahrheit.