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Propaganda als Bestandteil der Gesellschaft

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Donnerstag, 3. Juni 2010

In einer zivilisierten und angeblich freien und aufgeklärten Welt glauben wir, uns frei unsere eigene Meinung bilden zu können und weitgehend immun gegen Propaganda zu sein. Dies in einer Zeit, in der Werbung mehr denn je allgegenwärtig ist: am Fernsehen, im Radio, in der Tageszeitung, im Fachmagazin, an der Bushaltestelle, beim Warten vor dem Postschalter, beim Besuch auf Websites, beim kostenlosen Emailkonto und im Fussballstadion. Es gibt kaum noch einen Bereich des Lebens, der nicht von Propaganda verseucht ist. Werbung für Produkte und Dienstleistungen kann aber noch als die harmloseste Art von Propaganda betrachtet werden, weil hier die meisten Werbebotschaften auf unser bestehendes Werteverständnis zugeschnitten sind und lediglich animierende Funktion haben, ohne unser Wertesystem selber zu verändern.

Wer ist immun gegen Propaganda?

Was ist aber, wenn eben gerade dieses Werteverständnis zum Gegenstand der Propaganda und zum Ziel der Beeinflussung und Manipulation wird? Wenn unsere Wahrnehmung und Bewertung unserer Umwelt sich durch äussere Einflüsse verändert? Wenn wir gar nicht merken, wie unsere Hirnwindungen neu „verdrahtet“ werden? Wenn wir unsere Persönlichkeit und Wertvorstellungen verändern und dabei glauben, wir hätten schon immer so gedacht? Und plötzlich kommt jemand, um uns aus diesem Zustand der Verblendung zu befreien. Zunächst reagieren wir gewöhnlich erstaunt, ungläubig und ablehnend. Schliesslich betrachten wir uns selber als erwachsene, freie und mündige Bürger, die keiner Aufklärung oder Erlösung mehr bedürfen. Es braucht viel Mut und Erkenntniswillen, sich und seiner Umwelt einzugestehen, getäuscht und ein Opfer von Propaganda geworden zu sein.

Der Kurzfilm „Schwarz wie Milch“ als Bachelorarbeit von Stefan Kempas an der Hochschule Ulm handelt von der Beeinflussung durch die Medien:

Der Kernsatz des Films ist: „Und wenn die Welt nur noch aus Lügen besteht, dann wird die Wahrheit das einzige sein, das niemand mehr glaubt.“. Wie immun sind wir wirklich gegen Propaganda?

Wir leben in einer Scheinwelt

Dabei leben die meisten Menschen wie der Versicherungsangestellte Truman Burbank im Film „Die Truman Show“ in einer fremdbestimmten Welt und ihre Realität definiert sich aufgrund dessen, was ihnen an „Informationen“ vorgesetzt wird. Einigen fällt wie Truman im Film versehentlich ein Scheinwerfer vom Himmel vor die Füsse und ein paar von ihnen beginnen, die Dinge skeptisch und kritisch zu hinterfragen. Doch die Mehrheit lässt sich in ihrer Wahrnehmung und Meinungsbildung durch die ihr präsentierte Illusion leiten und wird durch Bequemlichkeit, Dummheit oder (ihr implantierte) Ängste davon abgehalten, diese Scheinrealität zu hinterfragen und ihr zu entfliehen. In letzter Zeit fallen aber immer mehr solche „Scheinwerfer“ vom Himmel und die Zahl der Aufgeweckten steigt. Ihr Medium ist primär das Internet.

Medienkompetenz zur Meinungsbildung

Wie bilden wir uns eine Meinung? Woher beziehen wir „unsere“ Informationen? In welchem Kontext bewerten wir Tatsachen? Welches gesicherte Wissen haben wir als Grundlage dafür? Noch vor ein paar Jahrhunderten war die Welt diesbezüglich noch einfacher und die Anzahl der Informationsquellen für jeden sehr überschaubar. Nachrichten wurden in erster Linie von Mund zu Mund übertragen, wodurch sie natürlich im Laufe der Zeit eine (wenn auch meist keine gezielte) Verfälschung erfuhren. Geschichten zum Zeitgeschehen wurden auf Jahrmärkten vorgetragen und Könige und Fürsten liessen ihren Untertanen Nachrichten über Boten zukommen. Und manchmal wurde auch bewusst etwas an der Wahrheit gedreht. Im Informationszeitalter glauben wir (oder zumindest die meisten der Mitbürger) besser informiert zu sein. In der Informationsgesellschaft können wir (zumindest theoretisch) auf eine Anzahl und Vielfalt von zuvor nie dagewesenen Informationsquellen zugreifen und trotzdem beziehen die meisten Zeitgenossen ihre Informationen für ihre Meinungsbildung immer noch von einigen wenigen Mainstream-Medien, deren wirtschaftliche Abhängigkeit und politische Verflechtung einen seriösen, umfassenden und ausgewogenen Journalismus nur in einzelnen Ausnahmefällen zulassen.

Die Anforderungen an die Medienkompetenz sind mit der Anzahl und Vielfalt der modernen Informations- und Kommunikationsmittel gestiegen. In den Schulen gibt es zwar schon länger Computerkurse und die Schüler lernen dort den technischen Umgang mit den neuen Medien. Doch in der eigentlichen Medienkompetenz, d.h. im gezielten und bewussten Umgang mit den Inhalten, lässt die Ausbildung eine gravierende Lücke offen. Dabei gilt es, die einzelnen Elemente der Inhalte und deren wahrnehmungspsychologischen Zusammenhänge im Kontext verstehen und richtig bewerten zu lernen. Hier geraten die meisten Lehrer an ihre Grenzen, denn zumeist fehlt ihnen selber das Wissen darüber. Oft hilft es aber bereits, sich in alle der verschiedenen Rollen der betreffenden Geschichte zu versetzen. Schliesslich ist jede Nachricht und jede Information Bestandteil einer Geschichte, sobald Menschen darin vorkommen oder Menschen von ihr betroffen sind. So sind auch Nachrichten- und Mediensprecher nichts anderes als Geschichtenerzähler. Doch nicht immer entsprechen ihre Geschichten der Wahrheit.

Die Propaganda-Maschine

Propaganda ersetzt den Verstand durch Gefühle (meist Ängste), die leichter zu beeinflussen sind. Ob jemand Terrorist oder Freiheitskämpfer ist, hängt davon ab, auf welcher Seite man selber steht. Dafür, dass wir die Dinge vom „richtigen“ Standpunkt aus betrachten, sorgt die Propaganda in den Medien. „Reden ist Silber, schweigen ist Gold“ lehrt uns ein Sprichwort. Doch in einer Welt, in der propagandistische Lügen und manipulierte Halbwahrheiten den politischen Alltag bestimmen, schweigen nur die dummen und feigen Lämmer, die sich ihrem von anderen bestimmten Schicksal ergeben. Mit wilden Verschwörungstheorien hat dies nichts zu tun. Vielmehr handelt es sich um ein Aufeinandertreffen von politischen, meist globalen Intrigen und naiver Ignoranz. Auf welcher Seite stehen wir? Gibt es ausser Opfer und Täter auch noch eine dritte Rolle?

Der Film „Die Propaganda-Maschine“ über die Mobilmachung von Gefühl und Verstand von Joachim Meissner zeigt im geschichtlichen Kontext der Neuzeit, wie der Krieg mit Informationen geführt wird:

(gefunden bei: kannnichtsein.com)

Die Enthüller und Aufklärer

Doch es gibt sie trotzdem: die Journalisten, die unermüdlich recherchieren, um die ganze Wahrheit publik zu machen. Es sind nicht sehr viele, aber von Politikern, Lobbyisten und Wirtschaftsbossen werden sie gefürchtet. Manche bezahlen für ihren Mut mit ihrem Job, in gewissen Ländern sogar mit ihrem Leben wie die russische Reporterin, leitende Redakteurin und Menschenrechtsaktivistin Anna Politkovskaya. Wenn alles nichts hilft, werden sie diffamiert und als Verschwörungstheoretiker beschimpft.

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