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Bye bye Facebook, MySpace, Twitter und Co.!

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Mittwoch, 25. August 2010

Vielleicht noch etwas verfrüht und voreilig hatte ich bereits 2007 das Ende von Web 2.0 und sozialen Netzwerken in der heutigen Form vorausgesagt und auch 2008 erneut vom Beginn des Platzens der Web 2.0 Blase berichtet. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: entgegen meinen ursprünglichen Einschätzungen verdienen ein paar wenige heute mittlerweile sogar recht gutes Geld mit ihrer Web-Plattform. Die wenigstens erzielen ihre Einnahmen jedoch, indem sie sich ihre Dienste von ihren Nutzern und Mitgliedern bezahlen lassen. Neben verschiedenen Formen der Online-Werbung bringt vor allem der Handel mit den Nutzerdaten richtig Kohle in die Kassen. Dass man sich dabei meist nicht nur mit einem Fuss sondern gleich mit beiden Tretern im Bereich der Illegalität befindet, wird als Kollateralschaden hingenommen und als Kavaliersdelikt betrachtet:

Privatsphäre scheint im Internetzeitalter zu einem Privileg und Luxusgut geworden zu sein. Wer im digitalen Netz nicht existiert, wird als suspekt eingestuft, denn wahrscheinlich hat er etwas zu verbergen. Sonst würde er ja schliesslich am sozialen Leben in virtuellen Welten teilnehmen und andere daran teilhaben lassen. Wer sich dem verweigert, muss folglich asozial sein. Das Fliegenpapier ist noch nicht voll. Täglich strömen immer noch neue Benutzer zu den sozialen Netzwerken, während für andere das Ende des Web-2.0-Hypes bereits begonnen hat. Allein schon die Tatsache, dass man einem Webzeitalter eine Versionsnummer verpasst, zeigt dessen Vergänglichkeit und sagt uns, dass es spätestens beim Erscheinen der nächsten Versionsnummer überholt und Schnee von gestern sein wird.

Sicher haben uns neue Webtechnologien neue Möglichkeiten und Annehmlichkeiten beschert. Nicht nur Wikipedia sondern das ganze Web ist ein riesiger Fundus für Recherchen aller Art. Telefonverzeichnisse, Strassenkarten, Zugfahrpläne, Einkäufe, Flugbuchungen und Hotelreservationen via Web gehören heute zum Alltag und einiges davon möchte auch ich nicht mehr missen. Besonders als alternatives Informationsmedium zu den Mainstream-Medien und als Hilfsmittel für die politische und demokratische Meinungsbildung sowie die Sensibilisierung und Mobilisierung für gewisse Themen hat sich das Web etabliert. Während George W. Bush und seine Kollegen die Zeichen der Zeit verschlafen haben, gelang es Barack Obama und seinen Helfern, im Web zu punkten und Wähler zu mobilisieren, um den Wahlkampf für sich entscheiden können.

Für viele Internetsüchtige wird das Web auf der Jagd nach falschen, virtuellen Freunden allerdings zur sozialen Falle und zum Zeitdieb. Würde jemand aus dem 19. Jahrhundert mit der Zeitmaschine in die Gegenwart reisen, so wäre er ob unserem Treiben im Cyberspace mit Facebook, MySpace, YouTube, Twitter und Co. sicher befremdet:

Immer mehr Menschen haben genug davon, sich zum Sklaven einer virtuellen Online-Gemeinschaft zu machen, ständig Ego-Botschaften verschicken und die ihrer „Freunde“ kommentieren zu müssen. Schliesslich müssen die Daten zum Online-Leben ständig aktuell gehalten werden. Ansonsten verstaubt das Online-Profil. Doch das hält kein gesunder Mensch jahrelang aus. Wer wieder voll und ganz Herr über sein eigenes Leben sein will, dem bleibt nur die Trennung von seinen Online-Identitäten:

Wie erholsam ein Wochenende ohne Computer und Internet sein kann, habe ich selber gerade erst vor zweieinhalb Wochen beim Wandern in Davos erfahren dürfen. Auch echte Partys mit echten Freunden und richtigem Bier und Wein zu nicht in der Retorte synthetisierter Musik steigern die Lebensqualität in für viele Online-Sklaven längst vergessener Art und Weise: