Year: 2012

Medienkompetenz kann man lernen

MedienkompetenzVor dem Internetzeitalter beschränkte sich die Medienkompetenz auf den technisch korrekten Gebrauch von Radion und Fernsehen und den „vernünftigen“ und massvollen Konsum dieser Medien. Heute ist das Thema wesentlich komplexer und die Anforderungen sind ungleich viel höher. Zugleich erodieren die bisherigen Wertestandards zunehmend, welche früher zumindest als Orientierungshilfe herangezogen werden konnte, auch wenn man mit diesen nicht unbedingt immer einverstanden war. Wie soll sich jemand in der Komplexität der heutigen Medien überhaupt noch zurecht finden?

Das Werteverständnis ist in unserer Gesellschaft immer heterogener und auch angesichts der immer grösser werdenden Kulturvielfalt in einer globalisierten Welt wird es immer schwieriger, eine allgemein verbindliche Norm zu definieren. Innerhalb der geltenden Gesetze muss jeder selber entscheiden, was für ihn richtig oder falsch ist. So lautet zumindest die liberale Antwort auf die Frage nach der wertebasierten Medienkompetenz. Darüber kann (und soll) man natürlich streiten.

Was jedoch den rechtlichen Rahmen betrifft, ist der für alle gleich, und sowohl diesen als auch gewisse technische Standards sollte man schon kennen, um als medienkompetent gelten zu können. Wer sein Wissen auf die Probe stellen möchte, kann dies beim Medienkompetenzquiz des mekonet (Medienkompetenz-Netzwerk Nordrhein-Westfalen) tun, welches vom Grimme-Institut in Zusammenarbeit mit dem Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW erarbeitet wurde.

So wird in der Nahrungsmittel-Werbung getrickst und gelogen

Wie bereits der Bestseller-Autor Seth Godin („All Marketers Are Liars“) und der US-Komiker George Carlin anschaulich dargelegt haben, ist die Lüge ein wesentlicher Bestandteil der Werbung in unserer westlich-zivilisierten Gesellschaft. Vieles ist für uns wahr, nur weil wir daran glauben (wollen). Mit Realität und Wahrheit hat das nichts zu tun, vielmehr aber mit Sehnsucht, Fantasie und Hoffnung. Seth Godin beschreibt das mit den Worten: „We believe what we want to believe, and once we believe something, it becomes a self-fulfilling truth“ (Wir glauben, was wir glauben wollen, und wenn wir etwas einmal glauben, wird es zur sich selbst erfüllenden Wahrheit). Werber sind Geschichtenerzähler und wer damit beschäftigt ist, Menschen Geschichten zu erzählen, die diese hören wollen, gerät schnell in Versuchung, zu übertreiben und Unwahrheiten hinzu zu dichten. Das muss gar nicht immer schlecht sein, denn wer es damit übertreibt, wird ohnehin rasch als Lügner entlarvt und verliert seine Glaubwürdigkeit. Doch, wo wird die Grenze überschritten?

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Humor statt Krise

Gerade in Krisenzeiten braucht der Mensch etwas Ablenkung, um sich in einer Pause geistig und seelisch wieder ein bisschen zu regenerieren. Damit meine ich nicht die Medienberichterstattung, die uns von den wahren Problem und Schweinereien dieser Welt abzulenken versucht. Es gibt auch Ablenkung der positiven Art, die uns gerade deshalb so gut tut, weil sie einen starken Bezug zum Alltag hat, diesen aber in all seinen Details und Feinheiten humoristisch aufbereitet, um unser Zwerchfell anzuregen. Ein Schweizer, der dies besonders gut kann, ist der Bündner Kabarettist mit der Zahnlücke Rolf Schmid.


Rolf Schmid: I mag eifach nüma

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Vernachlässigte Körpersprache

Angela MerkelIn Unternehmen werden immer mehr Mitarbeiter in Kommunikations-Seminare geschickt, weil immer mehr Unternehmen die Wichtigkeit einer wirkungsvollen Kommunikation erkennen. Dort lernen die Teilnehmer als Erstes, dass in der Kommunikation der nonverbale Anteil überwiegt – viele sprechen von 85 Prozent, einige sogar von 93 Prozent, manche nur von 2/3. Der genaue Prozentsatz ist im Grunde auch gar nicht so wichtig und variiert von Mensch zu Mensch. Er widerspiegelt höchstens unseren Zwang, alles mit Zahlen ausdrücken zu wollen, um dadurch den Eindruck der Wissenschaftlichkeit zu erwecken. Entscheidend hingegen ist die Erkenntnis der Relevanz der nonverbalen Kommunikation. Wie wir etwas sagen, sagt viel mehr über unsere Botschaft und ihre Hintergründe aus, als der verbale Inhalt es tut.

Bei den allermeisten Journalisten scheint dies noch nicht angekommen zu sein, denn ihre Berichterstattung beschränkt sich ausschliesslich auf die verbale Kommunikation. Einzig Merkur-Online zeigte einmal vor einigen Jahren den Reichtum der Mimik von Bundeskanzlerin Angela Merkel, ohne diese jedoch näher zu interpretieren. Hier liegt noch unheimlich viel Potential brach. Dabei könnten Sportjournalisten ohne Interpretation der Körpersprache ihren Job gar nicht ausüben. In vielen Sportarten wird sehr viel oder sogar ausschliesslich mit dem Körper gesprochen, besonders wenn es laut zu und her geht. Hier ist der „Sprachschatz“ allerdings sehr limitiert und genormt, um den Interpretationsmöglichkeiten keinen Freiraum zu lassen. In der zwischenmenschlichen Kommunikation hingegen gibt es viel mehr Freiheitsgrade und auch einige Unterschiede diesbezüglich zwischen den Kulturen. Wer die nonverbalen Botschaften in jedem Kontext richtig zu interpretieren vermag, ist immer im Vorteil. Mit der Interpretation der Körpersprache von Politikern und Prominenten scheinen Journalisten auf breiter Front überfordert zu sein. Oder gehört hier ein Tabu zur Berufsethik?

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Ist alles recht, was billig ist?

billig einkaufenDie meisten Menschen eifern Dingen nach, die sie für erstrebenswert erachten, ohne sich der Konsequenzen ihres Handelns bewusst zu sein. Wer bei diesem ersten Satz schon denkt: „Ich doch nicht!“ oder „So ein Unsinn!“, der gehört mit grösster Wahrscheinlichkeit dazu. Solange die für uns sichtbare Welt für uns annehmbar erscheint, ist die Welt für uns in Ordnung. In dieser Welt fühlen wir uns wohl, diese wollen wir nicht verlassen. Wir erschaffen uns damit geistige Mauern und verweigern uns jeglicher Erkenntnis. Würden wir nur ein bisschen hinter diese Mauern blicken, bekämen wir ein ganz anderes Bild von dieser Welt. Doch viele wollen das gar nicht, damit sie keinen Anlass haben, ihr Leben und Handeln verändern zu müssen. Das wäre ja auch nur all zu mühsam.

Wenn wir billig einkaufen können, ist das ein Segen für unser Haushaltsbudget und immer mehr Menschen mit niedrigem Einkommen sind froh um solche Möglichkeiten. Doch wenn für unseren Wohlstandskonsum andere die Rechnung bezahlen müssen, sollte uns dies kein Anlass zur Freude sein. Irgendjemand bezahlt immer irgendwie die Rechnung. Solange wir diese Personen nicht kennen, können wir uns hinter der Maske der Anonymität in der globalisierten Wirtschaft verstecken. Doch, wie würden wir uns verhalten, wenn wir die Personen persönlich kennen würden, zu deren Lasten unser Konsum und Wohlstand geht, und auch wir ihnen persönlich bekannt wären? Was wäre, wenn sie unsere Freunde oder Familienmitglieder wären? Würden wir dann immer noch auf maximal tiefe Preise fixiert sein oder wären wir dann bereit, einen fairen Preis zu bezahlen? Doch, wie hoch muss dieser sein?

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Der Weltuntergang findet 21.12.2012 nicht statt

WeltuntergangWürde man allen Weltuntergangs-Prophezeiungen Glauben schenken, wäre die Erde schon etliche Male untergegangen. Doch die Menschheit bevölkert den Planeten Erde immer noch. Sie tut das vielleicht nicht gerade auf die intelligentest-mögliche Art und Weise, aber sie tut es und dies intensiver als je zuvor. Daran wird sich so schnell wohl kaum etwas ändern, auch wenn dies manch einer bedauern mag. Bisher hat kein Apokalyptiker Recht behalten. Sollte es am 21.12.2012 nun so weit sein?

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Eine Zeitreise zu den Anfängen des Internets

Das Internet und darin vor allem das World Wide Web (WWW) und E-Mail sind aus unserem Alltag gar nicht mehr weg zu denken. Der weltweite Datenaustausch in Echtzeit ist für uns heute so selbstverständlich wie der Strom aus der Steckdose. Mit Begriffen wie „Archie“ und „Gopher“ kann heute kaum noch jemand etwas anfangen und an den Lynx Browser erinnert sich auch niemand mehr. Es ist noch gar nicht so lange her, da waren dies noch Standard-Internetanwendungen. Eine nostalgische Zeitreise zurück in die Vergangenheit der Informations- und Kommunkationstechnologie …


Das Internet aus Sicht der 90-er Jahre

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Unbekannte Subkulturen – Skinheads und Punks

Skinhead - A Way Of LifeSkinheads sind rechtsradikale Rassisten und gewalttätig, lautet das übliche Vorurteil gegen die mehr oder weniger kahl geschorenen Schnürstiefelträger. Dieses Bild mag für manche von ihnen zutreffen, doch Skinheads sind noch lange nicht alle Neo-Nazis, weshalb ein synonymer Gebrauch dieser beiden Begriffe falsch ist. Der Anblick von schwarzen, jüdischen oder christlichen Skins löst bei Aussenstehenden meist Irritationen aus, denn die Heterogenität der „Glatzen“ ist den meisten bürgerlichen Zeitgenossen weitgehend unbekannt. Als ähnlich stereotyp steht Punk für in schmuddeliges, schwarzes Leder gehüllte Träger von zerrissenen Jeans und bunten Irokesen-Frisuren mit Sicherheitsnadeln in der Gesichtshaut. Doch hinter diesen Fassaden stecken Menschen mit Sehnsüchten und Ängsten, die sich von denen der bürgerlichen Gesellschaft gar nicht einmal so stark unterscheiden.

Gesellschaftliche Normen und die Angst vor dem Unbekannten

mohawk-hairstyleIn bürgerlichen Kreisen werden alle von der gesellschaftlichen Norm abweichenden Subkulturen als abnorme und äusserst suspekte Lebensformen wahrgenommen, vor deren Einflüssen man seine Kinder gerne schützen möchte, und man hofft, dass sie mit ihnen am liebsten erst gar nicht in Kontakt kommen, um nicht der Gefahr einer geistigen, seelischen oder gesundheitlichen Infektion ausgesetzt zu werden. Und trotzdem reizt gerade dieses anders Sein den nach Eigenständigkeit und nach Unabhängigkeit vom Elternhaus suchenden Nachwuchs, der sich im Zuge der zunehmenden Freiheiten daran macht, die Welt zu entdecken und zu erobern. Vor allem via Internet können sie mit allen auch noch so kleinen und ausgefallenen Subkulturen in Kontakt treten. Ganz besonders auf YouTube finden sich Tausende von Videos zu diesen und über die Vorschläge zu ähnlichen Videos hangelt man sich leicht von einer Information zur nächsten. Es ist heute praktisch unmöglich geworden, Kinder vor solchen Kontakten zu schützen, will man ihnen die Teilnahme an der internetbasierten Informationsgesellschaft nicht gänzlich verbieten.

Als Vater mit Kindern in der Übergangsphase zum Erwachsenenalter habe ich mich an meine eigene Jugend und die Ängste und Sorgen meiner Eltern zurück erinnert (nein, ich war weder Skinhead noch Punk) und habe mich aufgemacht, mich über die aktuellen Jugendsubkulturen zu informieren. Schliesslich will man vorbereitet sein, sollte der Moment kommen, den Kindern diese anderen Welten erklären zu müssen. Kinder sind von Natur aus neugierig und wollen die Welt erkunden und begreifen lernen. Wenn man sie schon nicht vor den reichlich vorhandenen Gefahren, schlechten Einflüssen und Versuchungen abschirmen kann, sollte man doch wenigstens in der Lage sein, ihnen diese zu erklären und ihnen den richtigen Umgang mit ihnen beizubringen. Wer den Feind kennt, braucht ihn weniger zu fürchten. Doch lange nicht alle Subkulturen sind nur schlecht und gefährlich und ihre Darstellung in den Massenmedien wird der Realität in keiner Weise gerecht. Die Medien berichten meist nur über einzelne extreme Erscheinungen, welche die bestehenden Vorurteile lediglich zementieren und als Objekte des Voyeurismus dienen, um die Einschaltquoten und Leserzahlen zu erhöhen und damit attraktiver für Werbetreibende zu sein.

Eine differenzierte Betrachtung lohnt sich und fördert oft auch in der öffentlichen Wahrnehmung völlig unbekannte Seiten von Parallelwelten zu Tage. Der grösste Unterschied zu früheren Generationen besteht darin, dass die Umgangsformen heute meist härter und archaischer sind. Vielleicht ist das darauf zurückzuführen, dass die Unzufriedenheit der Jugend mit der heutigen Gesellschaft und ihren selbstgemachten Problemen noch grösser als früher ist und deshalb viele Jugendliche einen grösseren Abstand zu dieser Gesellschaft brauchen, um sich langsam an sie heranzutasten.

Das Spektrum der Skinheads und Punks

Die in diesem Beitrag gezeigten Videos widerspiegeln weder mein Lebenskonzept noch meinen persönlichen Geschmack, sondern dienen lediglich der Illustration der Subkulturen der Skinheads und Punks.

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Das Revolutionäre in den Netzen

Was bringt uns die Vernetzung von Menschen über das Web? Welche Auswirkungen hat es auf die Gesellschaft, wenn sich Menschen, die sich in der Regel gar nicht kennen, zu einer Aktions-Gemeinschaft zusammenschliessen, weil sie gemeinsame Wertvorstellungen und Ziele teilen, und durch den Austausch ihrer Gedanken neue Impulse generieren und ungeahnte Dynamiken entfesseln? Wie kann und soll man damit umgehen? Wie kann man dies positiv nutzen?

Mit diesen und weiteren Fragen befasst sich seit längerem Prof. Dr. Peter Kruse, der sich dazu an der 4. Sitzung der Enquete Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ im Deutschen Bundestag am 5. Juli 2010 äusserte (ganze Stellungnahme als PDF Datei):


Revolutionäre Netze durch kollektive Bewegungen

Durch die Verschiebung von den PUSH-Medien TV, Radio und Print zum PULL-Medium Web/Internet fand eine Machtverschiebung vom Anbieter zum Konsumenten statt. Durch die raschen, immer verfügbaren und äusserst kostengünstigen Kommunikationsmöglichkeiten wird eine hohe Vernetzungsdichte von Individuen möglich. Die Menschen schliessen sich zu Bewegungen zusammen und werden durch ihr gemeinsames Handeln mächtig. Kommt es in einem solchen vernetzten System zu einer hohen Spontanaktivität und Erregung, besteht die Tendenz zur Selbstaufschauklung, wenn dabei der Nerv des Zeitgeistes getroffen wird. D.h. es entsteht Resonanz. Und bei einer spontanen Resonanz in einer grossen, hoch vernetzten Gruppe kann diese Resonanz auch zu unkontrollierbaren Ereignissen von grosser Dynamik führen. Dies gilt sowohl für spontane Massenbesäufnisse (z.B. Bottelóns) als auch für Demonstrationen von Empörten (z.B. Occupy Bewegung, Arabischer Frühling).

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Medien empören sich über die Empörten

Die friedliche Protestaktion von „Occupy Paradeplatz“ hat den Steuerzahler der Stadt Zürich im letzten Jahr angeblich 72’500 Franken gekostet:  13’500 Franken für die Räumung der Zeltstadt auf dem besetzten Lindenhof und die Reinigung des Platzes sowie 59’000 Franken für den Polizeieinsatz zur Kontrolle der Räumungsaktion. Diese Kosten seien den Aktivisten nicht in Rechnung gestellt worden. Darüber empören sich nun einige. Zum Vergleich: An der alljährlichen Street Parade kostet allein die Entsorgung der Abfallberge ca. 100’000 Franken und die Organisatoren und ihre Sponsoren kommen nur für einen Teil dieser Kosten auf. Die Veranstalter fordern sogar noch die Unterstützung der Stadt Zürich, die ihnen einen Teil der Kosten von insgesamt rund 250’000 Franken erlassen soll, welche sie für Reinigung, Sanität und Polizei bezahlen. Darüber scheint sich kaum jemand zu empören. Wird hier mit unterschiedlichen Ellen gemessen?