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Information als Waffe – China scannt das Netz

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Mittwoch, 16. Januar 2008

ÜberwachungDass im Reich der Mitte Web-Inhalte zensuriert werden, ist hinlänglich bekannt. Am Anfang wurden die aufgerufenen Webseiten einzeln bei der Anfrage auf „staatsfeindliche“ Inhalte überprüft und dann entweder gesperrt oder durchgelassen. Mittlerweile hat China sein Zensurierungssystem auf Pre-Scanning umgestellt. Dabei werden Suchmaschinen mit Begriffen aus einem Index verdächtiger Wörter gefüttert und die Seiten in der Resultatliste auf unbequeme Inhalte hin überprüft. Nicht genehme Seiten landen auf einer schwarzen Liste.

Auch meine Website wird regelmässig von solchen Suchbots aufgesucht. Es wird keinen meiner Leser überraschen, dass meine Domain von China aus nicht erreichbar ist. Die Chinesen machen sich nicht einmal die Mühe, den Referrer (die URL der Seite, von welcher ein Link auf die aufgerufene Seite aktiviert wurde) zu unterdrücken. Aber auch von Rumänien und den USA (Hallo liebe Pfadfinder von der Homeland Security!) aus werden immer wieder ungewöhnliche Voll-Scans von Websites durchgeführt. Die Amis unterdrücken jedoch den Referrer konsequent. Ein Eintrag im Log-File sieht dann (mit Referrer) zum Beispiel so aus:

Anfrage von IP-Adresse 218.18.168.216
Referrer=http://suche.fireball.de/cgi-bin/pursuit?pag=83&query=Überwachungskameras&cat=fb_loc&idx=all&enc=utf-8;

Wir bezeichnen uns gerne als „Informationsgesellschaft“. Von Informationen geht oft eine viel grössere Macht aus als von sonst einem Machtinstrument. Informationen werden zur Waffe und damit auch zum Gegenstand von Begehrlichkeiten. „Know your customer – Kenne deinen Kunden!“ heisst es im Marketing und „Kenne deinen Feind!“ entsprechend im Krieg. Ja, wir befinden uns im Krieg – dem Weltkrieg der Informationen! Es ist kein Krieg, der Blutopfer fordert – zumindest nicht direkt. Es ist vielmehr ein Krieg, der im Stillen und von den meisten Leuten unbemerkt ausgetragen wird. Wirklich Spektakuläres gibt es an dieser globalen Front nicht zu berichten. Deshalb schweigen sich die Medien weitgehend darüber aus. Zu anspruchsvoll ist die Recherche und zu komplex sind die technologischen Zusammenhänge und Hintergründe. Nur manchmal ist die Spitze des Eisberges gut genug für eine Schlagzeile, wenn sich die Geschichte mit einfachen Worten erzählen und verkaufen lässt.

Dieser Krieg ist vergleichbar mit einer Grippe-Pandemie. Der Virus ist von Auge nicht wahrnehmbar und trotzdem zieht er seine Kreise und holt sich seine Opfer. Die Infektion wird erst bemerkt, wenn es schon geschehen ist. Wer sich aber zu schützen weiss, ist klar im Vorteil. Während der Krieg im Hintergrund bereits in vollem Gang ist, wird auf der politischen Ebene versucht, diesen im Nachhinein zu rechtfertigen. Dazu müssen in einem Rechtsstaat jedoch zuerst die (Grund-) Gesetze geändert werden. Vor diesem Hintergrund lassen sich etwa die Datensammelwut privater und staatlicher Organisationen (siehe auch Vorratsdatenspeicherung) und die Online-Überwachung erklären.

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