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Microsofts Beitrag zur totalen Überwachung als Patentantrag

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Donnerstag, 17. Januar 2008

Die britsche Times ist auf einen Patentantrag von Microsoft aufmerksam geworden, der ein “Big Brother”-System beschreibt, mit dem Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz überwacht werden können: “A unique monitoring system and method is provided that involves monitoring user activity in order to facilitate managing and optimizing the utilization of various system resources”. Dies beschränkt sich nicht auf den Computer. Auch physiologische Daten sollen dazu erfasst werden. Bisher kannte man solche Systeme erst in der Raumfahrt und für Piloten sowie für Leute bei gefährlichen Sondereinsätzen – zum Schutz des eigenen Lebens und dem von Mitmenschen. Man will damit “Probleme” besser identifizieren können, um dem Mitarbeiter bei Bedarf raschmöglichst Hilfe bieten zu können. Die physiosoligischen Daten wie Puls, Körpertemperatur, Atemfrequenz, Blutdruck, Mimik oder Bewegungen sollen Auskunft über den aktuellen Zustand des Mitarbeiters liefern. Diese Daten sollen über längere Zeit gesammelt und zu exakten Leistungs-Profilen verarbeitet werden. Alles im Namen der Optimierung und Effizienzsteigerung.

Bin ich einmal angespannt und müde, wird der Sekräterin automatisch mitgeteilt, ob sie mir einen Kaffee oder Orangensaft bringen soll. Welch herrliches Macho-Leben! Am Anfang werden wir uns an der Überwachung wahrscheinlich ein bisschen stören, wenn der Chef und das System über jeden unserer Schritte, Bewegungen und Emotionen Bescheid wissen. Aber mit der Zeit werden wir uns sicher daran gewöhnen. Und irgendwann werden wir abgestumpft sein und es wird uns egal sein, zu einem Zahnrädchen eines allmächtigen Überwachungs-Systems geworden zu sein, sodass wir uns für unsere Leistungen gar nicht mehr selber verantwortlich fühlen. Wozu ist schliesslich das System da? Das Rechtssystem der USA funktioniert ja bereits heut ein bisschen so. Und auch wir könnten dank dem Softwareriesen aus Redmond schon bald in den Genuss der Selbstverantwortungslosigkeit am Arbeitsplatz kommen.

Das System misst aber keineswegs die effektive Leistung eines Mitarbeiters, d.h. statt der Ergebnisse werden bestenfalls der Kalorienverbrauch und die Transpiration gemessen. Und wenn sich vorübergehend der Kollege auf den Stuhl setzt, um bei der Lösung eines Problems behilflich zu sein, werden irrtümlicherweise seine (Transpirations-) Daten erhoben und ausgewertet. “Wer misst, misst Mist” heisst die erste Regel der Messtechnik. Und wie wir sehen, hat sie immer noch ihre volle Gültigkeit.

Aber auch aus rechtlicher Sicht wirft der Patentantrag von Microsoft einige Probleme auf. Die Erhebung und Auswertung metabolischer Daten ist nicht neu. Neu ist höchstens die Zahl der involvierten Faktoren. Ganz ähnliche Systeme gibt es bereits bei Einbruchsicherungsanlagen, Systemen zur Früherkennung von Entführungen in Gebäuden und Flugzeugen, Monitoringsystemen auf der Intensivstation in Krankenhäusern, etc. Die Anforderungen “Neuheit” und “Erfindungshöhe” werden daher wohl kaum erfüllt. Wir erleben wieder einmal die Geburt eines Trivialpatents von Microsoft.

Daneben gibt es zum Glück ein Arbeitsrecht sowie ein Persönlichkeitsrecht, das den Mitarbeiter (zumindest auf dem Papier) vor Sklaverei und Ausbeutung schützt. Damit solche ein Überwachungssystem zum Einsatz gelangen darf, müssten einige Gesetzesparagraphen geändert oder gleich ganz gestrichen werden, was ich persönlich als äusserst unrealistisch einschätze. Arbeitnehmer sind empört. Den ersten Reaktionen zufolge würde ein derartiges “Big Brother”-System am Arbeitsplatz auf Null Akzeptanz bei den Arbeitnehmern stossen. Ich denke, Microsoft hätte sich die Mühe und das Geld für diesen Patentantrag ruhig sparen können. Das hätte bestimmt weniger Aufruhr verursacht. Auch Grosskonzerne machen Fehler.



Ein Kommentar

  1. Kommentar von Michi13
    Sonntag, 20. Januar 2008; 04:30

    Und künftig ist dann die Unterstützung des Mitarbeiter-Monitorings in jedem Windows gleich miteingebaut. Da weiss ich doch, warum ich gerade auf Linux umgestiegen bin.

    Gruss,
    Michi