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Handyüberwachung in Österreich

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Dienstag, 16. Oktober 2007

Der Überwachungswahn einzelner Politiker nimmt auch in Österreich konkrete Formen an. Innenminister Günther Platter (ÖVP) möchte anscheinend durch eine Änderung des Sicherheitspolizeigesetzes das Abhören von Mobilfunktelefonaten ohne irgendeine  richterliche Kontrolle ermöglichen. Im Entwurf heisst es: „Ist auf Grund bestimmter Tatsachen anzunehmen, dass eine gegenwärtige Gefahr für das Leben oder die Gesundheit eines Menschen besteht, sind die Sicherheitsbehörden zur Abwehr dieser Gefahr darüber hinaus berechtigt, von den Betreibern im Mobilfunkbereich Auskunft über Standortdaten und die internationale Mobilteilnehmerkennung (IMSI) zu verlangen sowie technische Mittel zur Lokalisierung einer von einem gefährdeten Menschen mitgeführten Endeinrichtung zum Einsatz zu bringen.“

Mit einem so genannten IMSI-Catcher soll dem Handy der Zielperson eine Mobilfunkzelle seines Netzbetreibers vorgegaukelt werden, in das sich dieses einbucht. Der Betreiber des IMSI-Catchers leitet das Gespräch an den richtigen Mobilfunkanbieter weiter und kann dabei alles mithören und mitschneiden. Das funktioniert nach dem Prinzip einer „Man-in-the-middle-Attacke“, wie sie auch beim Phishing eingesetzt wird.

Das Aufspüren vermisster Personen über ihr Mobiltelefon wurde auch schon beim grossen Tsunami-Unglück in Thailand eingesetzt. Mit der Abwehr akuter Gefahren hat dies aber überhaupt nichts zu tun. Oder werden künftig Sicherheitsbehörden die Arbeit von Rettungskräften übernehmen? Anscheinend soll hier der wahre Zweck mit falschen Argumenten verschleiert werden. Deshalb schlägt jetzt Peter Pilz, österreichischer Nationalratsabgeordneter der Grünen, Alarm und auch der Verfassungsdienst des Bundeskanzleramtes steht der Gesetzesänderung kritisch gegenüber. Nach der Behandlung im Ministerrat soll die Novelle schon kommende Woche vom Nationalrat beschlossen werden. Austria hat’s anscheinend besonders eilig. Die Geschwindigkeit, mit der weltweit neue „Sicherheitsgesetze“ durchgepaukt und Überwachungsmassnahmen unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung im Namen der Sicherheit jeglicher rechtsstaatlicher Kontrolle entzogen werden, ist schon beängstigend.



4 Kommentare

  1. Kommentar von Daniela List
    Donnerstag, 18. Oktober 2007; 00:56

    Hi Levente,
    habe gerade deine Webseite entdeckt. Gefällt mir! In Österreich gibts auch heiße News zum Bundestrojaner, alias Online Durchsuchung. Der Beschluss, der Exekutive zukünftig den Zugriff auf private Computer zu erlauben, ist am 17.10. gefasst worden!!! Innenminister Platter sowie Justizministerin Berger haben da auf einen grünen Zweig gefunden. Hab einen weblog dazu geschrieben, falls es dich interessiert.

    Lg, Dani

  2. Kommentar von Daniela List
    Donnerstag, 18. Oktober 2007; 00:59

    oh, hoppla, sorry für einen zweiten Eintrag – meine webseite funkt trotz Beistrichtrennung nicht wg. der Eingabe von meinen zwei Webseiten. Falls du od. jemand anderer nachlesen möchte: http://www.daniela-list.at

  3. Kommentar von Daniela List
    Freitag, 19. Oktober 2007; 00:14

    Für jene, die der Inhalt der Pressekonferenz von Peter Pilz, Sicherheitssprecher der Grünen, interessiert: hier quasi ein Protokoll seiner PK von Mo, dem 15.10.07. Der Original-Mitschnitt dieser PK steht in Kürze online.

    http://www.daniela-list.at/index.php/2007/10/18/das-ist-schlicht-und-einfach-erstunken-und-erlogen/

    Außerdem folgt in Kürze ein weiterer brisanter Artikel…

  4. Kommentar von Levente J. Dobszay
    Freitag, 19. Oktober 2007; 00:38

    Daniela, auf den Artikel bin ich aber gespannt und wäre froh um eine kurze Info! Ich liebe brisante Artikel 😉