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Kein Spielspass ohne Internetverbindung

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Dienstag, 21. April 2009

EA Sports - FIFA09Voll Freude zeigte mir heute Abend mein Ältester sein neu erworbenes PC-Spiel. Nach dem Nachtessen wollten wir FIFA09 von Electronic Arts installieren. Beim Akzept-Dialog für die abzunickende Lizenzvereinbarung (EULA), las ich diese im Gegensatz zu den meisten Zeitgenossen etwas genauer. EA liess sich bestätigen, Benutzerdaten und Daten über den Computer des Benutzers sammeln und verwerten zu dürfen. Naja, dachte ich. Solange ich die Firewall geschlossen halte, können die ja sammeln, was sie wollen. Nach Hause schicken lasse ich sie die Daten ganz bestimmt nicht. Nach der anschliessenden, langen Installations-Prozedur, die eine Unmenge an Daten auf die Festplatte kopierte, waren wir natürlich gespannt, ob und wie das neue Stück Spielsoftware funktionierte.

Kaum gestartet: Bling! Da meldet sich bereits die Firewall und fragt mich, ob ich dem fifa09.exe den Zugriff auf das Internet gewähren möchte, was ich mit einem klaren NEIN für immer und ewig beantworte. Das gefällt dem Spielprogramm nun gar nicht, denn es macht mir mit einer Meldung klar: kein Zugriff auf’s Internet – kein Spielspass! Was für eine Frechheit, denke ich mir und nehme die Hülle der DVD etwas genauer unter die Lupe. Da steht doch wirklich in kaum zu lesen kleiner Schrift: „Internet Connection Required“. Und etwas weiter unten steht:

„INTERNET CONNECTION, ONLINE AUTHENTICATION AND ACCEPTANCE OF END USER LICENSE AGREEMENT REQUIRED TO PLAY. […]“

Wer kein Englisch oder keine Fremdwörter wie „Authentication“ versteht oder etwas schwächere Augen hat, der hat gar keine Chance, diesen eingebauten Softwaremangel bereits vor dem Kauf zu entdecken. Aus Sicherheitsgründen gibt es bei uns zuhause keine PC-Spiele, die sich mit dem Internet verbinden. Einerseits bin ich und niemand anders Herr über die Daten und andererseits wird kein Einfallstor für Schadsoftware geöffnet. Und es gibt kein Computerspiel auf dieser Welt, das mir mein Sicherheitskonzept untergräbt!

Morgen bringt mein Junior die DVD in Laden zurück. Mal schauen, ob sie ihm sein Taschengeld zurückerstatten …



6 Kommentare

  1. Kommentar von LD
    Freitag, 1. Mai 2009; 17:16

    Krass! So verkehrt hab ich dem noch gar nie betrachtet! … Hhhhäää!?

  2. Kommentar von Bratwurst
    Freitag, 1. Mai 2009; 21:15

    Hallo L!
    Geht es hier nicht auch (oder ausschliesslich) um ein Verhindernwollen der Raubkopiererei? Wo liegt genau der Unterschied zur Software-Aktivierung? Letztere wird heute durch ‚Profis‘ mittels ‚Cracks‘ relativ locker ausgehebelt. Ueber LimeWire, Bittorrent und Co. wird die entsprechende Software dann hunderttausendfach gratis im Web verteilt. Wegen der Datenschutzbestimmungen fehlt den betroffenen Firmen heute noch vielerorts eine Handhabe, gegen diese Software-Piraterie vorzugehen (Provider dürfen in der Regel keine Daten über ihre Kunden rausgeben). Renitentere Kopierschutzmethoden wie DRM sind doch nicht zuletzt die Folge dieser Entwicklung. Und: Ist bei DRM (noch) nicht genau definiert, WAS FUER Daten gesendet werden dürfen? Technisch sollte es ja heute möglich sein, nur Daten zu transferieren, welche nichts über die wirkliche ‚Privatsphäre‘ eines Users aussagen, also z.B. das individuelle ‚User-Verhalten‘ ausklammern.
    Ich persönlich habe übrigens vor einiger Zeit ein Autorennspiel, welches nur mit Internetverbindung gespielt werden kann, auch umgehend wieder deinstalliert, weil mir das auch nicht gefallen hat (‚Race the WTCC‘ mit Steam).
    Gruss! Bratwurst

  3. Kommentar von LD
    Freitag, 1. Mai 2009; 23:18

    Es liegt mir fern, eine „Raubkopie“ erstellen zu wollen. Deshalb möchte ich auch nicht wie ein Verbrecher behandelt werden. Technisch ist es durchaus möglich, nur unheikle Daten zu transferien. Die Praxis sieht jedoch ganz anders aus.

  4. Kommentar von Bratwurst
    Samstag, 2. Mai 2009; 09:59

    Am Flughafen werde ich auch schon wie ein Verbrecher behandelt (3x Reisepass zeigen, Ganzkörperröntgen, Gesichtsscan usw.), obwohl ich keiner bin und mir das nicht gefällt. Das wird eben alles für unsere ‚Sicherheit‘ gemacht.
    Entspringt aber nicht auch die verbreitete Angst, im Netz überwacht zu werden, dem gleichen Sicherheitswahn? Der ‚Staat‘ hat Angst vor Terrorismus, die Bürger aber haben einen ‚Ichwerdeüberwacht-Wahn‘ (es gibt auch den Schweinegrippe-Wahn, den Kollaps-Wahn, den Gesundheitswahn usw.). Psychologisch ist’s im Prinzip immer dasselbe.

  5. Kommentar von Christian
    Samstag, 2. Mai 2009; 13:25

    Es geht doch da nicht um eine Sicherheit für die Software resp. um das sichern gegen Raubkopien. Da braucht das Unternehmen ausschliesslich eine Lizenznummer und die Registrierung. Hier geht es um das Geschäft mit personenbezogenen Daten. Google beweist, dass Daten sammeln Geld bringt und die anderen Unternehmen steigen auf den anfahrenden Zug auf.

    Gratuliere Dir und Deinem Sohn zu Eurer Entscheidung, das Spiel zurück zu bringen. Wir hätten es nicht anders gemacht.

    Gruss aus der Schweiz

  6. Kommentar von LD
    Samstag, 2. Mai 2009; 21:40

    @Bratwurst: Mit Wahn hat das Ganze nicht viel zu tun. Es ist vielmehr das Kalkül von Kontroll-Freaks.

    @Christian: Nicht nur Google sammelt solche Daten. Erzrivale Microsoft hat schon Daten gesammelt, als noch praktisch niemand von Datenschutz sprach und Google noch gar nicht existierte. Sogar die Mozilla Foundation sammelt fleissig Daten über die Verbreitung und die einzelnen Installationen des Webbrowsers Firefox. Daten sammeln ist zum Volkssport geworden.

    Über meine Erfahrungen bei der Einforderung des Rechts auf Sachgewährleistung erzähle ich nächste Woche.